Frankreich steht unter Strom. Seit den Terroranschlägen herrscht Ausnahmezustand, dazu kommen die Proteste gegen die Änderung des Arbeitsrechts. Bei der Polizei liegen die Nerven blank. Nicht die beste Zeit, um eine Fußball-EM auszutragen.

In Frankreich protestieren Gewerkschaften seit Monaten gegen eine umstrittene Änderung des Arbeitsrechts, die aus ihrer Sicht Entlassungen erleichtern würde. Dabei kam es mehrfach zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei, das schlägt mittlerweile sogar Wellen in der internationalen Politik. Außerdem beginnt in einer Woche die Fußball-EM. Und da wird mit vielen Hooligans aus Deutschland gerechnet. Die Polizei ist also angespannt - und die Polizei greift hart durch. Zu hart, wie einige Beobachter meinen.

"Man hat Bilder gesehen, die wollte man nicht sehen: Demonstranten, die schon festgenommen waren, aber noch eins in den Magen mitbekommen haben."
Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris

Nach den Attentaten auf Charlie Hebdo und den Attentaten vom 13. November haben viele Franzosen T-Shirts mit der Aufschrift "je suis policier" getragen. Mittlerweile ist die Begeisterung über die französische Polizei aber ein bisschen abgeebbt, sagt unsere Korrespondentin Barbara Kostolnik. Weil immer öfter Bilder von Spezialeinsatzkräften wie den Compagnies Républicaines de Sécurité (CRS) zu sehen sind, die martialisch ausgerüstet mit äußerster Härte gegen Demonstranten oder Journalisten vorgehen.

Die Auseinandersetzungen werden immer gewalttätiger

Auf der anderen Seite ist klar: Die Nerven liegen blank bei den französischen Sicherheitskräften. Sie schieben Berge von Überstunden vor sich her, und letztens ist auch ein Brandsatz in ein besetztes Polizeiauto geflogen, erzählt Barbara Kostolnik. Dazu kommen Autonome, die gerne die Demonstrationszüge sprengen und es dabei hauptsächlich auf Polizisten abgesehen haben.

"Das ist eine ziemlich üble Gemengelage und Gewalt bringt dann wieder nur Gewalt hervor."
Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris

Seit den Terroranschlägen gilt in Frankreich bis zum 26. Juli weiterhin der Ausnahmezustand. Das heißt: Die Polizei hat mehr Rechte als zu anderen Zeiten. So kann sie zum Beispiel einfacher Häuser durchsuchen. Insgesamt gilt: Die französische Polizei tritt ganz anders auf, als ihre deutschen Kollegen. So können einem die hochgerüsteten Beamten vom CRS durchaus Angst machen, sagt Barbara Kostolnik.

"Mir ist so eine Hausdurchsuchung zum Glück noch nicht passiert, aber ich bin auch kein Moslem."
Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris

Ausgerecht in dieser angespannten Lage richtet Frankreich jetzt auch noch die Fußball-Europameisterschaft aus. Die Regierung hat natürlich großes Interesse daran, dass während der EM nichts passiert, sondern dass es ein fröhliches Fußballfest wird. Und um das zu garantieren, haben die Verantwortlichen vor allem eins gemacht: aufrüsten. 90.000 Spezialkräfte - Sicherheitskräfte, Gendarmen und Polizisten - sind im Einsatz. Aber auch, wenn die Verantwortlichen versuchen, alle Eventualitäten auszuschließen, bleibt eines klar: Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit.

"Sicherheitskräfte stehen an allen Ecken und Enden - da muss man sich dran gewöhnen, wenn man nach Frankreich kommt."
Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris