Wir berichten über Flüchtlinge, hören ihre Geschichten eingeordnet von Journalisten. Aber wie sehen sich Flüchtlinge selbst? Wie sehen sie ihr neues Zuhause? Uns? Das zeigen Fotos, die Flüchtlinge von sich selbst gemacht haben.

Hartmut Schneider ist Fotograf und hat die Idee zu dem Fotoprojekt "Being Refugee" gehabt. Während einer Bürgerversammlung in Bergisch-Gladbach über die Situation der aufgenommenen Flüchtlinge sprach die Leiterin der Erstaufnahmeeinrichtung über das Problem der Beschäftigungslosigkeit der Flüchtlinge. Hartmut Schneider fasste den Plan, den Flüchtlingen fotografische Kompetenzen zu vermitteln, um sie in die Lage zu versetzen, ihre Situation mit Fotos darzustellen. Dadurch hätten wir die Chance, ihre individuelle Sicht auf ihre eigene Situation und ihre Umwelt kennenzulernen.

"Die Flüchtlinge brennen darauf, jetzt ein anständiges Leben anzufangen."
Hartmut Schneider, Fotograf

Diese Sicht, sagt Hartmut Schneider, sei sehr unterschiedlich. Die Mehrheit der Flüchtlinge, vor allem die aus Syrien geflohen sind, seien hoch motiviert und engagiert, sich ein neues Leben aufzubauen. Meist hätten sich die Flüchtlinge gegenseitig fotografiert, häufig hätten sie dabei das Victory-Zeichen gemacht.

Die Situation in der Einrichtung in Bergisch-Gladbach sei insgesamt entspannt, sagt Hartmut Schneider. Es sei nie zu ethnischen oder religiösen Konflikten gekommen. Daher sehe man auf den Fotos auch sehr häufig einfach die Gemeinschaft, die die Flüchtlinge dort leben. Dann seien sie auch in den Ort losgezogen und hätten sich häufig vor Einfamilienhäusern oder Autos fotografiert. Damit zeigten sie auch ganz deutlich ihre Wünsche und Träume, die sie von ihrem Leben in Deutschland haben.

"Das war ein herausragendes Erlebnis für mich, wie in diesen ganz schwierigen und erbärmlichen Lebensumständen die Menschen zusammenfanden und sich dann gegenseitig fotografiert haben."
Hartmut Schneider, Fotograf

Bemerkenswert findet Hartmut Schneider auch, dass die Flüchtlinge im September unglaublich viele Landschaftsfotos gemacht hätten. Immer wieder hätten sie einfach auf das "Grün" gehalten, das sie wohl sehr fasziniert habe. Insgesamt seien über 4000 Fotos entstanden, aus denen Hartmut Schneider für eine Ausstellung in Köln 250 ausgewählt hat. Thematisch hat er Motive gewählt, die die Gefühlswelt der Flüchtlinge zeige. Es würden Sehnsüchte artikuliert, aber auch Heimweh und Melancholie werden gezeigt.

"Ein sehr schönes Bild: Jemand hat einen Koran auf seinem Bett drapiert und daneben einen christlichen Rosenkranz. Das bedeutet ihm sehr viel, das zu symbolisieren: 'Ich will, dass wir uns vertragen.'"
Hartmut Schneider, Fotograf

Für Hartmut Schneider zeigt das Fotoprojekt, wie bereichernd es sein kann, sich mit anderen Denkweisen und der Fremdheit auseinanderzusetzen und Toleranz für andere Kulturen zu entwickeln. Für sein Fotoprojekt hat er über Facebook viel Unterstützung erhalten. Aber erst die finanzielle Unterstützung der Michael Horbach Stiftung hat das Projekt möglich gemacht. Zahlreiche Kameras und Zubehör wurden gespendet. Die Ausstellung "Being Refugee" ist in den Kunsträumen der Michael Horbach Stiftung in Köln zu sehen.

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