Knapp ein halber Meter voller kleingedruckter Informationen – das kann schon mal überfordern. Beipackzettel zu lesen, ist trotzdem wichtig. Wer weiß, worauf er achten muss, ist auch schnell mit der Lektüre durch.

Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2008 machen Beipackzettel 40 Prozent der Befragten in Deutschland eher Angst, als dass sie als Hilfestellung wahrgenommen werden. Zu viele Infos, zu unübersichtlich aufbereitet. Das führt häufig dazu, dass die Beipackzettel erst gar nicht gelesen werden oder das Medikament vorzeitig abgesetzt wird. Das kann gefährlich sein – zumindest bestimmte Hinweise auf dem Beipackzettel sollten wir uns also immer ansehen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Lennart Pyritz.

Ein Beipackzettel bietet wichtige Informationen, betont auch Cynthia Milz, Apothekerin aus Kulmbach und im Vorstand der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände – aber: diese Infos sollten immer zusätzlich von Fachleuten wie Ärzten und Apothekerinnen eingeordnet werden.

Aufbau eines Beipackzettels: sechs Rubriken

Ein Beipackzettel ist in sechs verschiedene Rubriken unterteilt. Diese Einteilung ist in der gesamten EU einheitlich geregelt.

  • Oft stehen zu Beginn einige Infos dazu, in welchem Fall das Medikament eingenommen werden sollte.
  • Die zweite, schon deutlich längere Rubrik heißt: "Vor der Einnahme beachten". Hier wird erklärt, wann man das Medikament besser nicht nehmen sollte und welche Vorsichtsmaßnahmen oder Wechselwirkungen man beachten sollte.
  • Danach folgen die "Anwendungshinweise" und die "Nebenwirkungen".
  • Die letzten beiden Rubriken geben Informationen zur Aufbewahrung des Medikaments und zu den enthaltenen Inhaltsstoffen.

Diese sechs Rubriken komplett durchzuarbeiten, das kann schon etwas dauern und verwirren - das muss aber auch nicht sein.

Arzt und Apotheker fragen

Cynthia Milz rät dazu, direkt beim Abholen in der Apotheke nachzufragen, was es Wichtiges zu beachten gibt, welche Wechselwirkungen mit beispielsweise Nahrungsmitteln auftreten könnten und bei welchen Vorerkrankungen man das Präparat lieber nicht einnimmt. Bei Medikamenten, die vom Arzt verschrieben wurden, sollten die wichtigsten Informationen am besten gleich beim Arztbesuch abgeklärt werden.

Wichtige Infos: Einnahme und Lagerung

Informationen, die sich vor allem auf die Einnahme und Lagerung von Medikamenten beziehen, sollte dennoch jede und jeder Zuhause nochmals nachlesen. Manche Medikamente verlieren ihre Wirkung beispielsweise, wenn sie nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden.

"Wichtig für alle sind die Hinweise, wie ein Medikament aufbewahrt werden soll, damit es sich hält. Und natürlich, wie es einzunehmen ist, damit es richtig wirkt."
Lennart Pyritz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Andere Medikamente dürfen beispielsweise nicht zerkleinert werden, da sonst die Beschichtung zerstört wird, die dafür sorgen soll, dass ein Medikament seinen Wirkstoff zeitverzögert abgibt. Hinweise wie "mit viel Flüssigkeit einnehmen" bedeuten im Klartext, mindestens ein Glas Wasser dazu zu trinken. Und "auf nüchternen Magen einnehmen" heißt: vier Stunden vorher solltet ihr nichts gegessen haben.

Für Cynthia Milz sind diese Hinweise auf der Packungsbeilage zu weit hinten angeordnet. Sie plädiert deshalb dafür, dass Informationen zur Lagerung und Einnahme deutlich weiter vorrücken sollten.

Liste der Nebenwirkungen individuell behandeln

Hinweise, dass Alkohol oder beispielsweise auch Grapefruitsaft die Wirkung eines Medikaments beeinflussen können, sind für alle Patientinnen und Patienten wichtig. Ansonsten sollten die Informationen zu Wechsel- und Nebenwirkungen individuell gelesen werden. Wer beispielsweise Allergien hat, sollte die Liste der Inhaltsstoffe genauer durchforsten. Wer dagegen beruflich mit Maschinen zu tun hat, sollte nachlesen, ob das Medikament die Reaktionsfähigkeit beeinflussen könnte.

"Wer allergisch ist, kann in der Liste der Inhaltsstoffe nachschauen, ob das Medikament geeignet ist. Wer beruflich mit Maschinen zu tun hat, sollte nachlesen, ob ein Medikament die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt."
Lennart Pyritz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die gesamte Liste der Nebenwirkungen zu studieren, davon rät Cynthia Milz allerdings ab. Denn dort müssen alle Nebenwirkungen aufgelistet werden, die jemals festgestellt wurden. "Sehr selten" bedeutet beispielsweise, dass ein Fall pro 10.000 Menschen aufgetreten ist. Da kann es schnell passieren, dass man sich ein paar Nebenwirkungen einbildet, wo gar keine sind.

Erst, wenn sich nach der Einnahme etwas anders anfühlen sollte als zuvor, rät sie dazu, in den Nebenwirkungen nachzulesen oder im Zweifelsfall in der Praxis oder der Apotheke nachzufragen.