Während die Impfungen derzeit noch schleppend verlaufen, hat Gesundheitsminister Jens Spahn schon das nächste Projekt in Angriff genommen und die ersten 200.000 Dosen eines Antikörper-Medikaments bestellt. Sie sollen vorerst nur bei Risikopatienten eingesetzt werden.

Als der ehemalige Präsident Donald Trump Anfang Oktober an Covid-19 erkrankt ist, war er einer der ersten Menschen, die mit einem Antikörper-Medikament behandelt wurden. Zu diesem Zeitpunkt war das Medikament des Herstellers Regeneron in den USA noch nicht zugelassen, mittlerweile gibt es dafür aber eine Notzulassung.

Obwohl die Zulassung in der EU noch nicht einmal beantragt wurde, hat Gesundheitsminister Jens Spahn bereits insgesamt 200.000 Dosen von zwei Antikörper-Medikamenten von den Herstellern Regeneron und Eli Lilly bestellt. Kostenpunkt: 400 Millionen Euro. Während eine Impfdosis bei zwei bis 20 Euro liegt, kostet ein Antikörper-Medikament pro Dosis 2000 Euro.

Medikament mit monoklonalen Antikörpern

Die Medikamente basieren dabei auf monoklonalen Antikörpern, die im Labor hergestellt werden. Monoklonal bedeutet, dass die Antikörper – anders als körpereigene Antikörper – alle gleich sind. Sie greifen das Virus alle an den Spike-Proteinen an. Die Antikörper, die der Mensch beispielsweise nach einer Impfung bildet, stellen dagegen einen Mix dar, der das Virus auch an verschiedenen Stellen angreift.

"Das sind sogenannte monoklonale Antikörper. Das heißt, dass die Antikörper alle gleich sind und das Virus an einem ganz fest definierten Ziel angreifen."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die monoklonalen Antikörper kann man sich wie ein Ypsilon vorstellen, das "an den Ärmchen Bindestellen hat, mit denen es am Spike-Protein andockt", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sabrina Loi. So können die Antikörper verhindern, dass das Spike-Protein des Coronavirus an die menschliche Zelle andockt und sich dort vermehrt.

Für Patienten mit schweren Verläufen

Antikörper funktionieren also nur bei Viren, die sich noch nicht an menschliche Zellen angedockt haben. Das bedeutet allerdings auch, dass Antikörper-Medikamente nicht die Krankheit selbst verhindern können, sondern nur einen schweren Verlauf, indem die Virenlast gesenkt wird, wie erste Studien bestätigen. Deshalb sind die Medikamente vor allem für Risikopatientinnen- und Patienten vorgesehen.

"Die Antikörper helfen nur bei Viren, die noch frei im Körper unterwegs sind, sich also noch nicht an eine Zelle angedockt haben. Aber zumindest soll damit ein schwerer Verlauf verhindert werden."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Damit die Antikörper so viele Coronaviren wie möglich angreifen können, sollte man das Medikament, das als Infusion verabreicht wird, am besten innerhalb von 72 Stunden bis zu einer Woche nach der Infektion bekommen.

Keine großen Wunder erwartet

Große Wunder erwarten Forschende von dem Antikörper-Medikament erstmal nicht. Nach einer Nutzen-Risiko-Einschätzung durch medizinisches Personal dürfe das noch nicht zugelassene Medikament laut dem Paul-Ehrlich-Institut aber auch in Deutschland verabreicht werden. Deswegen und aufgrund ihrer geringen Anzahl sollen die Dosen nicht großflächig verteilt und nur in spezialisierten Uni-Kliniken eingesetzt werden.