Fashion Shows wurden abgesagt, Bekleidungsläden blieben lange geschlossen und Textilfabriken standen still – Dass der immense Produktionsdruck in der Modebranche nachgelassen hat, könnte dazu führen, dass langfristig nachhaltiger produziert wird.

Zurzeit fallen wegen der Corona-Pandemie in der Modebranche viele Produktionen aus oder finden unter erschwerten Bedingungen statt. Fotoshootings etwa finden zum Teil per Facetime statt oder so, dass die Fotografin oder der Fotograf hinter einer durchsichtigen Folie steht, die den Raum zwischen dem Menschen hinter und demjenigen vor der Kamera teilt.

"Durch ein Facetime-Shoot wird das Bild niemals so professionell und so cool werden, wie wenn es von einem richtigen Fotografen geshooted würde. Aber natürlich ist das umweltfreundlicher."
Manuela Tatjana Frey, Model
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Vor ein paar Monaten noch folgte eine Fashion Week der nächsten: Mailand, Paris, London... allein in New York City fanden vier Fashion Weeks pro Jahr statt. In unzähligen Veranstaltungen präsentierten Labels und Designer unzählige neue Modekollektionen.

Besonders der Fast-Fashion-Trend setzte dabei kleinere unabhängige Labels massiv unter Druck. Denn die verfügen nur über ein geringes Budget, um ständig teure Laufsteg-Shows und Kollektionen zu finanzieren.

"Keiner hatte die Chance, aus diesem Kreislauf auszusteigen. Erst jetzt etabliert sich dieses Umdenken, und wir können da auf jeden Fall ein Stück weit den Druck rausnehmen.“
Julia Leifert, Designerin

Den Druck etwas herauszunehmen, fordern nicht nur kleinere Independent-Label. In einem offenen Brief verlangen große Mode-Player wie Armani, Dries van Noten oder Jil Sander, dass es generell weniger Kollektionen im Jahr geben soll.

Der Vorschlag: Bereits produzierte Kollektionen könnten länger in den Läden hängen. Wenn weniger Ware hergestellt wird, würden auch geringere Mengen an Rohstoffen – wie etwa Wasser oder Baumwolle – verbraucht und weniger CO2 ausgestoßen werden.

Kleine Labels zeigen, wie Nachhaltigkeit geht

Natascha von Hirschhausen arbeitet für ihr Independant-Label für ethische Designermode schon so nachhaltig, wie es für sie möglich ist. Die Designerin produziert ihre Kleidungstücke in ihrem Atelier in Berlin. Sie legt Wert darauf, dass sie Kleidung herstellen kann, ohne Plastik zu verbrauchen, dabei fair gehandelte Stoffe zu nutzen und kaum Abfall zu produzieren.

"Ich hoffe, dass es eine Chance gibt, dass die Konsumenten umdenken und dass diese ganze "buy local' und 'support your local dealer'-Bewegung, dass die vielleicht anhält."
Natascha von Hirschhausen, Designerin

Sie hofft darauf, dass auch Konsumenten nachhaltig produzierte Mode künftig bevorzugen werden.

Eine globalisierte Modeindustrie ist nicht nachhaltig

Ein Hauptgrund dafür, dass die Textilindustrie überwiegend nicht nachhaltig ist, liegt darin, dass die Orte, wo Rohstoffe gewonnen, Kleidung hergestellt und schließlich verkauft wird, oft weit auseinanderliegen. Allein schon die Transportwege sorgen für große Mengen an CO2-Ausstoß.

Globalisierte Produktion birgt Probleme

Die Probleme dieser stark globalisierten Produktion werden aktuell während der Corona-Pandemie sehr deutlich: Die Lieferketten können nicht aufrechterhalten werden. Zuerst konnte China Rohstoffe für die Textilherstellung nicht mehr liefern, später wurden dann weltweit Bekleidungsgeschäfte und Nähfabriken lange geschlossen.

Nachhaltigere, lokal produzierte Mode mit kürzeren Transportwegen – und damit verbunden möglicherweise einem geringeren CO2-Ausstoß – könnten sich also langfristig positiv auf die Umwelt auswirken.

"Es gibt Anzeichen und auch Studien, dass die Produktion näher an den Absatz heranrückt."
Jürgen Janssen, Bündnis für nachhaltige Textilien

Jürgen Janssen vom Bündnis für nachhaltige Textilien ist überzeugt davon, dass die Corona-Pandemie dauerhafte Folgen für die Modebranche haben wird. Das Bündnis, an dem neben mehr als 120 Organisationen, Unternehmen, und NGOs auch die Bundesregierung beteiligt ist, hat sich die globalen Lieferketten mal genauer angesehen.

Absehbar, dass künftig lokaler produziert wird

Jürgen Janssen sagt, dass es Anzeichen dafür und Studien dazu gibt, dass die Produktion künftig nicht mehr über die Welt verstreut sein wird, sondern näher dorthin rückt, wo der Kunde die Ware letztendlich einkauft – gut für die Umwelt, wenn sich diese Prognose denn bewahrheitet.