Seine erste Tablette Tavor hatte er von einer Kollegin. Es war eher aus Versehen, sagt Tin Fischer. Dann waren alle Sorgen weg.

Der Journalist war auf einer Bergtour und musste morgens richtig früh raus. Eine Schlaftablette sollte helfen. Normalerweise sei er ein extremer Morgenmuffel, sagt Tin Fischer. An diesem einen Morgen aber nicht. Hellwach, super drauf, ohne irgendwelche Bedenken wanderte er los. Alle Sorgen waren weg.

Benzodiazepine: Hohe Suchtgefahr und starke Nebenwirkungen

Der Journalist hatte keine Ahnung, dass er ein Beruhigungsmittel eingenommen hatte. Erst ein paar Wochen später wurde ihm klar, dass es keine normale Schlaftablette war, sondern Benzodiazepine. Daraufhin hat er sich mit den Präparaten genauer beschäftigt, lässt es sich von seinem Arzt verschreiben und testet es für eine Reportage. In normalen Alltagssituationen wollte er sie aber lieber nicht nehmen, weil die Suchtgefahr viel zu groß ist und die Nebenwirkungen stark sind.   

"Tavor ist ein angstlösendes Beruhigungsmittel. Wie es wirkt hängt davon ab, von welchem Zustand man kommt. Wer unter panischen Angstzuständen leidet, kommt damit auf ein normales Niveau runter."

In Situationen in denen Sorgen entstehen, beispielsweise beim Fliegen, hat Tin Fischer das Mittel getestet. Er war erstaunt, wie schnell Benzodiazepine wirken: "Innerhalb von 15 bis 30 Minuten fallen die Sorgen ab, man beruhigt sich, wird schläfrig und findet die Welt plötzlich völlig in Ordnung." Nach acht Stunden lässt die Wirkung nach. Deshalb ist das Risiko abhängig zu werden auch so groß.

"Über Koks oder Ecstasy wird viel gesprochen, obwohl sie viel seltener genommen werden."

Bei Nachfragen im Bekanntenkreis stieß Tin Fischer auf immer mehr Menschen mit Benzodiazepin-Erfahrung. Bedenklich, denn die verschreibungspflichtigen Benzodiazepine oder das Mittel Tavor wird Patienten mit starken psychischen Problemen verabreicht. Es hilft beispielsweise Panikschübe kurzfristig zu durchbrechen, um eine Therapie beginnen zu können, erklärt Tin Fischer.