Viele Unternehmen schmücken sich mit Regenbogenfahnen, um zu zeigen, dass sie queer-freundlich sind. Ob es sich dabei mehr um Marketing als um Interesse und Engagement handelt, hinterfragt Stuart Cameron. Er hat das Sozialunternehmen "Uhlala-Group" gegründet und berät Firmen, die sich der LGBTIQ+-Community gegenüber weiter öffnen wollen.

Was muss ein Unternehmen bieten oder leisten, damit es sich als queer-freundlich bezeichnen kann? Diese Frage hat sich Stuart Cameron gestellt und einen Katalog mit 75 Fragen entwickelt. Mit seinem Sozialunternehmen "Uhlala Group" berät er Firmen, die wissen wollen, wie offen das Unternehmen tatsächlich für Mitarbeitende ist, die der LGBTIQ-Community angehören.

Stuart Cameron, Sozialunternehmer Uhlala-Group
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Stuart Cameron erklärt Firmen, wie sie LGBTIQ-freundlich werden

Für Stuart Cameron ist nicht nur wichtig, wie sich das Unternehmen nach außen repräsentiert, sondern auch, wie die Firma strukturell aufgestellt ist. Beispielsweise wie in den Organisationsstrukturen queere Mitarbeitende mitgedacht werden und ob auch die Personalabteilung bei einer Jobausschreibung, Menschen der LGBTIQ-Community explizit anspricht und sie dazu einlädt, sich zu bewerben.

"Man muss es tatsächlich zeigen und beweisen, das man ein offenes Unternehmen ist. Ein Unternehmen, in dem wirklich alle Leute wertgeschätzt werden."
Stuart Cameron, Gründer und CEO Senior Consultant der "Uhlala-Group"

Viele Firmen halten sich zwar für LGBTIQ-freundlich, aber es gebe viele Dinge, die man im Blick haben müsste, um es auch tatsächlich zu sein, sagt Stuart Cameron. Wenn er Unternehmen berät, blicke er auf verschiedene Aspekte, beispielsweise, ob es ein Diversity-Management gibt, das auch queere Menschen einbezieht und ob sie entsprechende Ansprechpartner haben.

Queer-freundliche Kommunikation ist nur ein kleiner Teil

Als Berater fragt Stuart Cameron auch danach, ob Mitarbeitende zu diesem Thema geschult werden und ob es Anlaufstellen für Angestellte gibt, die diskriminiert werden. Die Personalabteilung müsse beispielsweise wissen, was zu tun ist, wenn ein Mitarbeiter namens Christian ankündigt, dass er künftig unter dem Namen Christine geführt werden möchte.

"Die meisten Unternehmen haben zwar das Gefühl, dass sie offen sind. Aber woher soll ich von außen her wissen, ob ein Unternehmen tatsächlich LGBT-friendly ist?"
Stuart Cameron, Gründer und CEO Senior Consultant der "Uhlala-Group"

Seit zwölf Jahren arbeitet Stuart Cameron in diesem Bereich. Er sagt, dass sich in dieser Zeit viel verändert habe. Anfangs war es nur eine Handvoll Unternehmen, die sich für LGBTIQ-Themen interessiert habe. Inzwischen haben viele Firmen erkannt, dass divers zu sein, nicht nur fair sei, sondern es sich auch auf den Umsatz auswirke. Außerdem kann es dafür sorgen, dass Mitarbeitende im Unternehmen bleiben.

Unternehmen fehlt Know-how

Trotzdem wüssten viele Firmen nicht genau, was zu tun sei. Sie würden eine Regenbogenfahne in den Sozialen Medien posten und sich möglicherweise am Christopher-Street-Day in der eigenen Stadt beteiligen.

Aber es helfe nicht, meint Stuart Cameron, nur zu sagen, dass man kein Problem mit der LGBTIQ+-Community habe. Stattdessen müssten die Firmen tatsächlich zeigen und beweisen, dass sie offen seien und wirklich alle Mitarbeitenden wertschätzten.

Ende diesen Jahres möchte Stuart Cameron mit seiner Firma einen sogenannten Prideindex anbieten. Ein Tool das Unternehmen kostenlos nutzen können, um sich selbst ein Bild davon zu verschaffen, wo sie mit ihrer Firma stehen und was sie tun müssten, um queer-freundlicher zu werden.