Die Waldbrände, die wir derzeit in Europa erleben, haben ein neues Ausmaß an Intensität erreicht. Dennoch tragen die Emissionen der Brände aber nicht zu einer Verstärkung der Klimawirkung bei, sagt Waldbrand-Expertin Kirsten Thonicke.

In der afrikanischen Savanne, im Norden Australiens oder auch in den Trockengebieten von Brasilien gehören Waldbrände zu einem natürlichen Erneuerungsprozess dazu. Dadurch kann sich die Vegetation erholen und zudem können neue Nährstoffe gebildet werden. In gewissem Maße gelte das auch für die sibirische Taiga, Kanada und Alaska.

Doch durch die extreme Trockenheit, viel Wind und viele Gewitter brennt es auch dort stärker als früher, sagt Waldbrand-Expertin Kirsten Thonicke vom Potsdam Institut für Klimaforschung. Auch die Walbrände in Mitteleuropa hätten durch das immer variabler werdende Klima neue Ausmaße erreicht.

Brände extremer als in den Vorjahren

Ob die Feueranzahl bei uns in Europa in den vergangenen drei Jahren deutlich zugenommen hat, ist schwer festzustellen, sagt Kirsten Thonicke. Doch neu sei, dass jedes einzelne Feuer aufgrund der großen Trockenheit und der Winde deutlich intensiver und extremer brenne als in den vergangenen Jahren. Vor allem gehe auch eine unvergleichlich große Fläche verloren. Mehr als die Länder jemals zuvor erlebt hätten.

"Es brennt extremer. Die Flächen, die in den einzelnen Feuern verloren gehen, sind einfach unvergleichlich größer als das, was diese Länder in den Vorjahren erlebt haben."
Kirsten Thonicke, Waldbrand-Expertin am Potsdam Institut für Klimaforschung

Kristen Thonicke geht davon aus, dass sich an den bisher in den Klimamodellen berechneten weltweiten Emissionen durch die häufiger auftretenden Waldbrände vorerst nichts ändert.

Natürliche Waldbrände in Klimamodelle einberechnet

Klimamodelle berechnen grundsätzlich immer Szenarien mit einem ausgewählten Startjahr. In diesen Berechnungen sind die natürlichen Waldbrände wie in Afrika einberechnet. Die extremen Brände der letzten drei Jahre sind in aufgrund ihrer historischen Neuheit allerdings noch nicht enthalten.

In Afrika würden die Flächen, die eigentlich durch natürliche Erneuerungsprozesse brennen, mittlerweile anders genutzt werden. Deshalb ändere sich an der Gesamtzahl der Emissionen trotz der zusätzlichen Brände vorerst nichts, so die Erklärung von Kirsten Thonicke.

"Wir können nicht erwarten, dass durch diese neuen Emissionen nochmal extra eine Verstärkung der Klimawirkung zu erwarten ist."
Kirsten Thonicke, Waldbrand-Expertin am Potsdam Institut für Klimaforschung