Im Corona-Jahr 2020 haben die Menschen den Medien mehr vertraut als noch fünf Jahre zuvor. Und es gibt auch weniger Menschen, die den Medien vorwerfen, sie systematisch zu belügen. Das geht aus den Daten einer Langzeitstudie hervor.

Wenn es um Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren und politische Krisen oder Skandale geht, kann man den etablierten Medien vertrauen. Dieser Aussage haben 56 Prozent von rund 1.200 Befragten zugestimmt.

Das Vertrauen der Menschen in die Medien war damit 2020 so hoch wie lange nicht mehr, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Tepper. In den vergangenen Jahren lag der Wert bei 41 bis 44 Prozent und zu Beginn der Langzeitstudie im Jahr 2015 waren es 28 Prozent.

Seitdem beobachten die Forschenden der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf das Medienvertrauen der Deutschen. Zu den etablierten Medien zählen sie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Tageszeitungen, Privatfernsehen und auch Boulevardzeitungen.

Medienvertrauen steigt in der Corona-Krise

Als im vergangenen Jahr parallel zur Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie auch die Unsicherheit innerhalb der Gesellschaft stieg, konnten die Medien offenbar Vertrauen gewinnen. Bei vielen hat sich die Einstellung von extremer Skepsis hin zu Vertrauen verändert.

Nur noch 11 Prozent der Befragten glaubten etwa, die etablierten Medien würden systematisch Lügen verbreiten. In früheren Jahren waren es 13 bis 19 Prozent. Dahingegen haben zwei Drittel Aussagen wie diese zurückgewiesen – das sind so viele wie noch nie.

Medien als Orientierung in der Pandemie

Was den Wandel verursacht, haben die Forschenden in ihrer Studie nicht abgefragt. Sie vermuten allerdings einen Zusammenhang mit der Corona-Krise: Denkbar sei zum Beispiel, dass mehr Menschen journalistische Angebote genutzt hätten, um sich über das Coronavirus zu informieren, auf die sie eigentlich nicht zurückgreifen würden. 65 Prozent der Befragten hielten die Aussage, die Medienberichterstattung helfe ihnen dabei zu verstehen, was gerade passiert, für zutreffend. 16 Prozent lehnten es ab.

"Die Befragung zeigt auch, dass generell der Glaube an Verschwörungserzählungen im letzten Jahr zurückgegangen ist."
Anne Tepper, Deutschlandfunk Nova

Wie nachhaltig das Ergebnis ist, wird sich zeigen, weil der Befragungszeitraum im November und Dezember 2020 lag, also vor der langen Zeit im Lockdown. Die Forschenden halten es für möglich, dass sich das Medienvertrauen parallel zum Krisenmanagement der Politik in der Coronavirus-Pandemie entwickelt.