Die eigentliche Botschaft nach den Vorwahlen in New Hampshire: Es gibt bei den Demokraten bislang keinen klaren Favoriten. Und der Vorwahlkampf wird lange dauern.

In den USA laufen die Vorwahlen ums Präsidentenamt. Es geht um Psychologie, es geht um das Momentum. Und auch wenn noch nichts entschieden ist, sind die ersten Bewerber schon ausgestiegen. Favoriten werden zu Verlierern und vermeintliche Loser steigen zum Favoriten auf.

Gestern (09.02.2016) war New Hampshire dran: Donald Trump hat sich bei den Republikanern durchgesetzt. Geheimfavorit Marco Rubio ist abgeschlagen. Die wichtigste Erkenntnis bei den Demokraten: Bernie Sanders schlägt Hillary Clinton - und das sehr deutlich.

"Es ist schon erstaunlich, wie klar Bernie Sanders in New Hampshire gewonnen hat."

Spätestens seit gestern ist klar: Wir müssen uns intensiv mit Bernie Sanders auseinandersetzen, rät Christian Lammert, Professor für Politikwissenschaft an der FU Berlin. Zumindest bis zum Parteitag der Demokraten im Sommer.

Die nächsten Vorwahlen finden in Nevada und South Carolina statt und hier sehen die Umfragen Hillary Clinton vorne - und dann gibt es bei den Demokraten wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die eigentliche Botschaft von New Hampshire: Es gibt bei den Demokraten bislang keinen klaren Favoriten. Der Vorwahlkampf wird lange dauern.

Warum der selbst ernannte Sozialist Bernie Sanders im Musterland des Kapitalismus so einen Erfolg hat, lässt sich am Besten mit der Stimmung im Land erklären. Die Wirtschaftskrise im Jahr 2008 hat die USA erschüttert. Hohe Arbeitslosigkeit und eine große Ungleichheit - das scheint vor allem für junge Amerikaner zu viel zu werden, analysiert Christian Lammert.

Sie wollten eine Kehrtwende in der Politik, und darum könne Bernie Sanders so gut mobilisieren. Weil er verspricht, etwas gegen den Einfluss des Geldes in der Politik zu unternehmen, die Kosten für Ausbildung senken und ein Gesundheitssystem einführen will, von dem alle profitieren sollen. Eine Botschaft, die bei jungen Wählern auf offene Ohren stoße.

Keine voreiligen Schlüsse

Trotzdem mahnt Christian Lammert auch zu Vorsicht, zu voreilige Schlüsse aus den Vorwahlen zu ziehen. Wer jetzt wählt und abstimmt, zähle zu den sehr aktiven und mobilisierten Bürgern. Es sei also längst noch nicht klar, dass Bernie Sanders bei der Präsidentschaftswahl gegen einen republikanischen Kandidaten - egal ob der Bush, Rubio oder Trump heißt - gewinnen würde.

Trotzdem ist für Christian Lammert unübersehbar: Am linken Flügel der Demokraten gibt es eine immer größer werdende Gruppe, die mit dem kalten Kapitalismus nicht mehr zufrieden ist - und die etwas gegen wachsende Ungleichheit und Armut unternehmen will.

Und dann ist da noch der Joker im Kampf um das Präsidentenamt: Michael Bloomberg, ehemaliger Bürgermeister von New York, hat sich selbst als Kandidat für das Weiße Haus ins Spiel gebracht. Seine Überlegung: Wenn sich vermeintlich radikale Kandidaten wie Donald Trump oder Bernie Sanders ums Präsidentenamt streiten, gibt es eine gute Chance für einen pragmatischen Macher in der Mitte, der nicht zum politischen Establishment gehört. Christian Lammert ist überzeugt: Das Ergebnis von New Hampshire hat Michael Bloomberg Auftrieb gegeben.