Wir fliegen nicht, trinken keinen Kaffee aus dem Pappbecher und gehen nicht mehr shoppen. Die Krise lässt uns ein ziemlich nachhaltiges Leben führen – könnte man meinen. Doch wie sieht es wirklich mit unserem Beitrag fürs Klima gerade aus?

Die persönliche Nachhaltigkeitsbilanz nach zwei Monaten Corona-Pandemie fällt bei Dominik Evers von Deutschlandfunk-Nova "nicht ganz so gut aus", wie er zugibt. Zwar hat er schon seit Monaten auf das Shoppen neuer Kleidung verzichtet, ist aber bei Obst und Gemüse wieder den Plastikverpackungen verfallen. "Jetzt haben mich die Tomaten in dieser wunderschönen Plastikverpackung dann doch wieder mehr angelacht, als noch vor Corona, weil ich dachte, dass da noch nicht jeder draufgepackt hat."

Nachhaltig? Wir fahren wieder Auto

So wie Dominik, scheint es gerade vielen Menschen zu gehen. Es sind die kleinen Umweltsünden, die uns in der Krise das Leben angenehmer machen. Das kann auch Deutschlandfunk-Nova-Reporter Markus Golla bestätigen. Er hat sich angeschaut, welchen Einfluss Corona auf unser nachhaltiges Verhalten in unterschiedlichsten Lebensbereichen hat.

Bei seinen Recherchen fiel ihm auf, dass auch unser Mobilitätsverhalten nicht mehr sonderlich umweltfreundlich ist – vom offensichtlichen Verzicht auf Flugreisen abgesehen. Denn: Es gibt einen Trend hin zum Auto wegen Corona. Ein großer Autovermieter bestätigte Markus Golla hohe Vermietungszahlen: "Die Zahlen sind mindestens auf Vor-Corona-Niveau." Außerdem würden die Menschen, die Autos länger als vorher, also für einen Monat, oder länger mieten.

"Offenbar steigen Menschen schneller wieder ins Auto als in die Bahn oder den Bus."
Deutschlandfunk Nova-Reporter Markus Golla

Hat die Corona-Pandemie also unser Umweltbewusstsein verdrängt? Vorübergehend könnte das so sein, so das Urteil der Umweltpsychologin Lydia Heilen. Sie erklärt in dieser Ab21, warum uns Nachhaltigkeit gerade nicht so wichtig ist. Sie geht aber auch davon aus, dass das Vernachlässigen eines nachhaltigen Lebensstils nur ein vorübergehendes Nebenprodukt der Pandemie ist.

"Nur weil einem jetzt in der Corona-Krise andere Motive wichtiger sind, heißt das nicht, dass einem Umweltschutz plötzlich egal ist."
Lydia Heilen, Umweltpsychologin

Zahlen zu Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein vor und während Corona:

  • In einer Umfrage zum "Earth Day 2020" (April 2020) kam heraus, dass 44 Prozent der befragten Deutschen der Meinung sind, dass die Erderwärmung und der Klimawandel eines der drei größten Umweltprobleme in ihrer Heimat ist.
  • In einer im September 2019 durchgeführten Umfrage zum Klimapaket in Deutschland waren 75 Prozent der befragten Personen der Meinung, dass es der Welt in den nächsten Jahrzehnten nicht gelingen wird, den Klimawandel wirksam zu bekämpfen. 22 Prozent der Befragten waren zuversichtlich und hielten eine erfolgreiche Bekämpfung der globalen Erderwärmung für möglich.
  • Insbesondere jüngere Menschen versuchen, nachhaltig und umweltbewusst zu reisen. So gaben fast 70 Prozent der Befragten der Generation Z bei einer Umfrage in Deutschland an, im Jahr 2019 verstärkt auf Nachhaltigkeit beim Reisen geachtet zu haben. In der Generation X taten dies 54 Prozent.