Die Daten von Facebook sind Gold wert. Für die Wirtschaft ebenso wie für die Politik. Jetzt sollen Wissenschaftler vollen Zugriff auf die Daten bekommen - über eine unabhängige Forschungskommission.

Als Facebook das letzte Mal im großen Stil Wissenschaftler an seine Daten gelassen hat, ging das grandios schief: Die Camebridge-Analytica-Affäre hat riesige Datenschutz-Probleme offen gelegt, für die letztendlich Facebook verantwortlich war. 500.000 Pfund Strafe fordert die britische Datenschutzbehörde von dem Milliardenkonzern.

Facebook will Wissenschaft unterstützen

Trotzdem ist die Wissenschaft für Facebook nach wie vor ein wichtiges Thema. Früher schon hat das Unternehmen bereitwillig Daten für wissenschaftliche Zwecke bereitgestellt. Auch um zu zeigen, das es keine dunklen Geheimnisse gibt und Facebook so auch positive Medienberichte kassiert. Imagepflege also.

"Es ist Teil der Transparenz- oder Charmeoffensive von Facebook, dass das Unternehmen für wissenschaftliche Zwecke gesammelte Daten rausrückt."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Nun sollen Daten für die Forschung aber nicht mehr einfach so rausgegeben werden. Dafür gibt es nun Social Science One, eine unabhängige Forschungskommission, die die Informationen an Wissenschaftler herausgibt. "Natürlich wird Facebook auch zukünftig drauf achten müssen, dass die Datensätze im Zweifelsfall anonymisiert rausgehen", sagt Michael Gessat von Deutschlandfunk Nova, "aber ich denke schon, dass der Umweg über die Kommission die elegantere Lösung ist".

Aber auch die Wissenschaftler selbst haben einen Vorteil durch die Social-Science-One-Kommission. "Facebook kann ihnen nämlich dann zukünftig auch nicht mehr vor einer Publikation der Forschungsergebnisse hereinfunken, wenn die Ergebnisse irgendwie unliebsam für Facebook sein sollten", sagt Michael Gessat. Bisher hat sich die Plattform diese Möglichkeit vorbehalten.

"Facebook ist nicht raus aus der Haftung. Auch zukünftig müssen sie darauf achten, dass die Datensätze im Zweifelsfall anonymisiert rausgehen."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Die Unabhängigkeit von Social Science One soll durch die Finanzierung sichergestellt werden: Facebook steckt kein Geld rein, dafür finanzieren aber eine Reihe von Stiftungen die Kommission. "Die werden natürlich auch im Zweifelsfall eine bestimmte politische Agenda verfolgen", sagt Michael Gessat, "aber immerhin ist das dann nicht direkt ein wirtschaftlicher Akteur wie Facebook selbst".

Und Social Science One ist keine reine Facebook-Kommission. Im Grunde könnte sie für alle privaten Datensammler diese Vermittlerrolle zur Wissenschaft übernehmen.

Mehr zum Thema: