Wenn wir in der Zukunft den Mars besiedeln sollten und einer haut dem anderen eine Flasche auf den Kopf: Gilt dann das Recht des Stärkeren? Oder gelten dann Gesetze von der Erde auch auf dem Mars? Und wenn ja - die Gesetze welchen Landes? Einige Juristen fordern: Wir brauchen schon heute Gesetze für das Weltall.

Der Mars im Jahr 2047: Der Luftdruck beträgt sechs Millibar. Draußen sind es angenehme minus 25 Grad. Plötzlich gibt es ein donnerndes Getöse:

"Ein Teil eines alten Satelliten im Orbit ist abgebrochen und auf den Mars gestürzt. Direkt auf die Unterkunft eines Marsbewohners. Der hat jetzt ein Problem: Wer bezahlt ihm sein Dach?"
Tobias Altehenger, Deutschlandfunk Nova

Darüber denkt auch Gbenga Oduntan von der Universität Kent in Großbritannien nach: Was passiert, wenn wir andere Planeten besiedeln, es aber keine Gesetze für das Zusammenleben gibt? "Können wir auf der Erde erwarten, dass unsere Gesetze auch auf dem Mars gelten werden? Ich glaube, das ist nicht ausreichend", sagt Oduntan.

Das Weltall ist schon jetzt nicht gesetzlos. Seit den 1960er-Jahren gibt es insgesamt fünf internationale Verträge, sagt Stephan Hobe vom Institut für Luft- und Weltraumrecht an der Universität Köln: "Angefangen mit dem Weltraumvertrag von 1967, dann gibt es ein Weltraumrettungsabkommen, ein Haftungsabkommen, ein Registrierungsabkommen und ein Mondabkommen, was nicht nur für den Mond, sondern auch für alle anderen Himmelskörper unseres Sonnensystems gilt".

Das Thema Rohstoffabbau hat Priorität

Was passiert, wenn ein Marsbewohner dem anderen eine Weinflasche auf den Kopf haut, regeln all diese Abkommen aber nicht. Die Frage kommt vielleicht auch zu früh. Solange nicht klar ist, wie unser Leben auf anderen Planeten aussieht, wird es schwer, Zivil- und Strafgesetze dafür zu schreiben, so Stephan Hobe vom Institut für Luft- und Weltraumrecht an der Universität Köln.

"Es müsste deutlicher werden, unter welchen Grundstrukturen Leben auf Himmelskörpern denkbar erscheint, bevor man sich Gedanken darüber macht, wie die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür aussehen."
Stephan Hobe, Institut für Luft- und Weltraumrecht an der Universität Köln

Viel dringlicher ist für Hobe schon jetzt das Thema Rohstoffabbau im All. Auf vielen Himmelskörpern gibt es Gold, Platin oder Rhodium.

Laut dem Mondabkommen haben alle Staaten das gleiche Recht an den Rohstoffen, doch daran wollen sich einige Länder nicht halten. So haben beispielsweise die USA und auch Luxemburg ein Gesetz verabschiedet, das ihnen Vorrechte beim Rohstoffabbau im Weltraum sichern soll. "Beide Vorstöße sind eklatant völkerrechtswidrig, denn kein einzelner Staat hat die Gesetzgebungsgewalt über Dinge, die genuin international sind", so der Stephan Hobe.

"Mond, Himmelskörper und das Weltall gehören der Menschheit als Gesamtheit. Und kein einziger Staat ist überhaupt regelungsbefugt, insofern gehen diese Regelungen schlicht ins Leere."
Stephan Hobe, Institut für Luft- und Weltraumrecht an der Universität Köln

Gbenga Oduntan von der Universität Kent befürwortet ein eigenes "Space Law", das den Abbau von Rohstoffen und das künftige Zusammenleben auf dem Mars und anderen Planeten regelt. Denn dass es dazu kommt, sei nur eine Frage der Zeit:

"Raumstationen auf Himmelskörpern werden Realität sein, bevor ich sterbe."
Gbenga Oduntan, Universität Kent