Diese Woche ist das "Wörterbuch des besorgten Bürgers" rausgekommen. Darin sammeln die Herausgeber die Worte der Rechten und zeigen, woher die kommen und warum sie problematisch sind. Interessant dabei: Nicht nur AfD und Pegida nutzen Wörter wie "Flüchtlingswelle", sondern auch die Volksparteien.

In Kreisen besorgter Bürger werden gerne rechte Vokabeln wie "völkisch" oder "Asylindustrie" benutzt. Im jetzt erschienenen "Wörterbuch des besorgten Bürgers" werden in 150 Einträgen solche Begriffe genau auseinander genommen. Der Politikwissenschaftler Robert Feustel hat es mit herausgegeben. Zusammen mit anderen Autoren betreibt er den sprachlos-blog.de. Ein besonders schwerwiegendes Beispiel ist aus seiner Sicht das Wort "Volksverräter" - oft zu hören bei Demonstrationen von AfD und Pegida.

"Das Wort 'Volksverräter' ist deshalb so schmerzhaft, weil es eigentlich einen Straftat-Bestand im Nationalsozialismus bezeichnet. Und jetzt wird dieses Wort seit etwa zwei Jahren schleichend rehabilitiert."
Robert Feustel, Politikwissenschaftler

Ein anderes Beispiel aus dem "Wörterbuch des besorgten Bürgers“ ist die "Flüchtlingswelle". CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble hat sogar einmal von einer "Flüchtlingslawine“ gesprochen und auch in Medien taucht es immer wieder auf. Das sind Begriffe, die aus Menschen und Einzelschicksalen Naturkatastrophen machen, sagt Feustel. Eine Lawine ist ein unvermeidliches Ereignis, das viel Leid bringen kann. Menschen als Lawine zu bezeichnen, ist für Robert Feustel eine verbale Gewalttätigkeit.

Rechte Vokabeln sickern auch bei den Volksparteien ein

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudler hat mit dem Begriff "Umvolkung" für Empörung gesorgt. Dieses Wort suggeriert, dass das deutsche Volk gezielt ausgetauscht werden soll. Es gibt einige Begriffe, die ganz selbstverständlich verwendet werden, deren Sinn aber gar nicht klar ist.

"Kulturkreis" zum Beispiel: Mit dem Wort werden große territoriale Räume zusammengebunden, auch wenn es innerhalb dieser Räume immense Unterschiede gibt. Robert Feustel sagt, mit dieser Rhetorik werde Angst, zum Beispiel vor den Flüchtlingen, als politische Strategie eingesetzt.

​"Solche Wörter ziehen scharfe Grenzen zwischen 'Wir' und 'den anderen', sie pauschalisieren und ermöglichen Projektion. Differenzierte Begriffe wären für diese Agitation viel zu kompliziert: einfache Lösungen und einfache Antworten sind gefragt."
Robert Feustel, Politikwissenschaftler

Das "Wörterbuch des besorgten Bürgers" zeigt mit seinen beispielhaften Analysen, dass die reaktionären Positionen am rechten Rand auf jeden Fall auch die etablierte Politik in der Mitte beeinflusst.