Ein Totschlagargument bedeutet oft das Ende einer Diskussion. Das muss aber nicht sein. Wir erklären, wie ihr auf Totschlagargumente reagieren könnt.

Talkrunde bei Anne Will: Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Vorsitz, Bundesfinanzminister Olaf Scholz von der SPD und Annalena Baerbock, Vorsitzende der Grünen. Ein Thema unter anderen: Gleichberechtigung. Auf die Frage, wie Friedrich Merz zum Gendern steht, beendete er die Diskussion mit einem Totschlagargument: "Wir haben im Augenblick ein paar andere Probleme, die wir lösen müssen."

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Wie sollen wir reagieren, wenn Fragen, Ideen oder Kritik auf solche Weise abgewehrt wird? Friedrich Merz Argumentation ist eine typische Ablenkungsstrategie, die wir seit einiger Zeit auch als Whataboutism kennen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Teresa Nehm. Heißt: von der eigentlichen Thematik ablenken und ein anderes Problem ansprechen.

Mit Gegenfrage kontern

In Situationen wie diesen sollten wir möglichst nicht emotional reagieren, denn die Diskussion, die daraus entsteht, sei nur schlecht zu kontrollieren.

"Am besten nicht emotional reagieren, weil man die Diskussion, die daraus entsteht, schlecht kontrollieren kann."
Teresa Nehm, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Der Kommunikationstrainer Moritz Kirchner rät, mit einer Gegenfrage zu kontern und zu fragen, warum ein anderes Thema wichtiger sein solle
und selbst anzuführen, warum das eigene Thema eben doch Wichtigkeit habe. Das setze den Gesprächspartner unter Rechtfertigungsdruck.

Parameterveränderung und Adlerstrategie

Außerdem können wir damit kontern, dass es nicht um die Größe des Problems gehe, sondern um die Dringlichkeit, Überfälligkeit oder Aktualität. Damit würden wir einen Wert einbringen, der der eigenen Argumentation nutze. Moritz Kirchner nennt das Parameterveränderung, die die Diskussion auf eine höhere oder moralische Ebene bringe.

Um sich von einem Totschlagargument nicht kleinkriegen zu lassen, helfe es, Zeit zu gewinnen, um sich zu sammeln. Zum Beispiel: "Bevor ich dazu etwas sage, würde ich gerne zum angesprochenen Thema zurückkommen und dann können wir auf Ihre Kritik eingehen." Wenn uns dann aber Argumente zum Thema fehlen sollten, dann empfiehlt Moritz Kirchner mit der Adlerstrategie abzulenken: Nicht auf Details eingehen und sie umkreisen, sondern von Grundsätzlichem reden.

Strategische Empathie zeigen

Es gibt aber auch andere, weniger konfrontative Möglichkeiten zu reagieren. So können wir unser Gegenüber überraschen, indem wir ihr oder ihm zunächst Recht geben. Den Überraschungseffekt können wir uns dann zunutze machen, so der Kommunikationstrainer. Mit dem Mittel der sogenannten strategischen Empathie umarmen wir zunächst ein Stück weit das Gesagte, unsere anschließende Kritik wirke dann umso konstruktiver. Das entschärfe die Konfrontation hin zu einem konstruktiveren Lösungsansatz.

"Wenn dein Gegenüber Kooperation und Empathie wertschätzt, dann kann die Diskussion viel weicher ablaufen, weil die Konfrontation raus ist und man nach einer konstruktiven Lösung sucht."
Teresa Nehm, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Es gibt auch die Fälle, in denen wir spontan nicht gut kontern können. Im Falle von Stammtischparolen rät der Bildungsforscher Klaus-Dieter Hufer in einem Interview im Fluter dazu, trotzdem etwas zu sagen und zumindest zu zeigen, damit nicht einverstanden zu sein. Auch wenn wir damit vielleicht nicht die Debatte gewinnen würden, müssen wir uns nicht danach ärgern, nicht reagiert zu haben.