Vor über 30.000 Jahren begann unsere Freundschaft mit dem treuesten Partner in der Menschheitsgeschichte, dem Hund. Der Kooperation mit Wölfen und Hunden hat der Homo sapiens zumindest einen Teil seines Erfolgs zu verdanken, erklärt der Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal im Hörsaal.

Hunde sind die netteren Wölfe. Das war lange die verbreitete Domestikations- Annahme. Das stimmt so nicht ganz, sagt der Wiener Professor für Verhaltensbiologie Kurt Kotrschal in seinem Vortrag. Und er weiß wovon er spricht: Kurt Kotrschal ist Mitgründer des Wolfsforschungszentrums im Wildpark Ernstbrunn in der Nähe von Wien, der weltweit einzigen experimentellen Wolfs- und Hundeforschungseinrichtung.

"Seit 35.000 Jahren sind Menschen und Hunde Partner bei der Eroberung der Erde."
Kurt Kotrschal, Verhaltensbiologe

Dort werden Wölfe mit der Hand aufgezogen und mit ihnen und Hunden geforscht. In Experimenten untersuchen die Wissenschaftler mit ihnen zum Beispiel die sozialen Beziehungen zwischen Wolf, Hund und Mensch oder kooperatives Verhalten zwischen den Arten. 

Wolf und Mensch sind sich sozial sehr ähnlich

Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal mit einem Wolfswelpen.
© Rooobert Bayer | Wolfsforschungszentrum WSC
Der Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal hält ein Wolfswelpen in der Hand.
"Menschen und Wölfe sind höchst soziale und kooperative Tiere, und wir teilen ein fast identisches soziales Gehirn und soziale Mechanismen."
Kurt Kotrschal, Universität Wien

Im Hörsaal-Vortrag berichtet Kurt Kotrschal nicht nur von seiner spannenden Forschungsarbeit mit Wölfen und Hunden, sondern erläutert auch die Entwicklung des Wolfes zum Hund und wie diese jahrtausendealte Partnerschaft nicht nur die Evolution des Hundes, sondern auch die des Menschen beeinflusst hat.

Aufgezeichnet wurde Kurt Kotrschals Vortrag "Die Hundwerdung des Wolfes - 35.000 Jahre Partnerschaft mit dem Menschen" am 7. Juni 2018 anlässlich des 100. Geburtstags des Verhaltensbiologen Günter Tembrock an der Berliner Humboldt-Universität. Dazu eingeladen hatte die Günter-Tembrock-Stiftung.

Im Audio wird fälschlicherweise gesagt, dass das Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität und das Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin den Vortrag in Zusammenarbeit mit der Günter-Tembrock-Stiftung organisiert hätten. Das ist im Online-Artikel korrigiert. Die Stiftung ist alleiniger Veranstalter der jährlichen Günter-Tembrock-Lecture, die beiden erstgenannten Institutionen hatten nur 2018 im Anschluss an den Vortrag den Workshop "Verhaltenswissen" veranstaltet und dem Hörsaal freundlicherweise einen Mitschnitt der Lecture zur Verfügung gestellt.

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