Habt ihr mal ein Päckchen erhalten, wisst aber nicht warum? Ein Absender stand auch nicht drauf? Dann war das vermutlich "Brushing": So nennt man Fake-Bestellungen von Online-Händlern, die damit ihre Verkaufszahlen aufhübschen.

Es sind Pakete, in denen Handyhüllen, Sexspielzeuge oder Zahnpastatuben drin sind: Beim "Brushing" verschicken Online-Händler Kleinigkeiten, die nicht sonderlich viel wert sind und sie möglichst wenig kosten, an willkürlich ausgesuchte Menschen. Die vermeintlichen Kunden der Online-Händler haben die Ware aber gar nicht bestellt – das war der Händler.

Im Juli 2020 zum Beispiel haben Tausende Menschen in den USA Tütchen mit Saatgut aus China erhalten. Warum sie das Saatgut erreicht hat, wussten die Empfänger lange nicht. Dann wurde klar: Es handelt sich um Brushing.

"'Brush' bedeutet ja Pinsel. Und ich denk da immer an so einen fetten Puderpinsel, mit dem die Händler ihre Verkaufszahlen überpinseln."
Marie Eickhoff, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Auf Plattformen wie Amazon können Online-Händler durch die Fake-Bestellungen ihre Verkaufszahlen künstlich steigern. Denn: Je mehr sie verkaufen, desto höher steigen sie im internen Ranking auf.

Das heißt: Die Händler werden höher gelistet und Kunden zuerst angezeigt, wenn die nach einem bestimmten Produkt im Online-Shop suchen. Diese Verkaufsplätze sind unter den Händlern also beliebt.

"Oben in diesen Ranglisten zu stehen, ist besser als jede Werbung."
Marie Eickhoff, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Wer auf diesen internen Hitlisten der Online-Shops landet, wird von Algorithmen geregelt. Für die sind zwei Werte relevant: die Höhe der Verkaufszahlen und gute Kundenbewertungen mit vielen Sternen.

Dafür erstellen die Händler einen Account auf der Seite des Online-Shops mit dem Namen des vermeintlichen Kunden. In ihrem Namen bestellen die Händler dann die Produkte. Und die Bestellung zahlen die Händler selbst.

Kommentare mit fünf Sternen

Manche von ihnen gehen einen Schritt weiter und fälschen im Anschluss über das Kundenprofil auch noch eine Bewertung in ihrem Shop, erklärt Mario Fischer von der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt.

Die Empfänger der Waren würden die Kundenrezension in ihrem Namen oft nicht bemerken. Denn: Die Händler geben keinen Absender auf ihren Paketen an. Die Empfängerinnen müssten also konkret in den Kommentaren unter der Produktseite nach ihrem Namen suchen.

"Brushing" stoppen: leider nein

Wegen der fehlende Angaben zum Absender sind die Händler hinter solchen Brushing-Paketen also kaum auffindbar. Das kann besonders dann ein Problem werden, wenn ein Paket auf das Nächste folgt.

"Es gab auch schon einen Fall, dass ein Kunde, der immer wieder solche Pakete bekommen hatte und das überhaupt nicht wollte, versucht hatte, die Verschickung zu untersagen. Er ist aber vor Gericht gescheitert", erzählt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Online-Shops wie Amazon ist Brushing zwar bekannt, ihnen seien aber die Hände gebunden, sagen sie.

Empfängerinnen und Empfänger können dann nur noch schauen, ob sie die kostenlose Ware behalten, verschenken oder entsorgen, so der Experte der Verbraucherzentrale.