Zwischen dem, was sie sich von der Welt der Erwachsenen erhofft haben, und dem, was sie in der Welt ihrer Kindheit unbedingt zurücklassen wollten – irgendwo dazwischen hängen die Geschwister Marie und Lukas, von denen der Roman "In Limbo" von Désirée Opela handelt.

Im Mittelpunkt des Romans "In Limbo" stehen zwei Geschwister – Lukas und Marie. Das Buch erzählt von einer Schwester, die noch zuhause wohnt, im Haus der Eltern, umgeben von vertrauten Geräuschen, Gerüchen und Gesetzen. Und es erzählt von einem Bruder, der ausgezogen ist und Architektur studiert, der sich neu orientieren muss, was ihm aber nur schwer gelingt.

Eltern, die nur noch räumlich anwesend sind

Seit Lukas ausgezogen ist, kommt Marie das Elternhaus doppelt so groß vor. Und doppelt so eng. Genau genommen vermisst sie nicht nur ihren Bruder – sie vermisst auch ihre Mutter und ihren Vater. Die Mutter hat eine Affäre, ist für Marie kaum ansprechbar und auch emotional nicht verfügbar.

Er kocht literweise Apfelmus ein

Marie hat das Gefühl, dass ihr Vater auch nicht wirklich für sie da ist. Denn er kocht entweder literweise Apfelmus ein oder füttert Listen mit Zahlen und Abkürzungen, deren Bedeutung Marie nicht kennt.

Obwohl sie noch jeden Abend mit ihren Eltern am Esstisch sitzt, hat sie Angst davor, dass sie dort bald nicht mehr zu Hause ist, sondern es sich so anfühlen wird, als sei sie bei ihren Eltern zu Besuch.

Irgendwann versteht Marie, was zu tun ist. Erst jetzt, wenn sie geht, wird sie herausfinden, ob sie alleine bestehen kann. Und auch, ob sie Lukas noch braucht. Vielleicht sogar: ob sie ihn jemals gebraucht hat.

Das Buch

"In Limbo" von Désirée Opela | Romandebüt | erschienen bei Faber & Faber am 01.08.2019 | 120 Seiten | 20 Euro.