Bislang war es in Deutschland verboten, für den Eigenverbrauch aus medizinischen Gründen Hanf anzubauen. Ein Mann hat dagegen geklagt und Recht bekommen. Jetzt hat ihm die Behörde die Erlaubnis erteilt.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erlaubt dem 53-jährigen Mann aus Mannheim, 130 Cannabispflanzen in seinem Badezimmer anzubauen. Er leidet seit Jahren an Multiples Sklerose. Kiffen lindert seine Beschwerden wie spastische Lähmungen, Sprachstörungen und depressiven Störungen. Aus diesem Grund hat ihm das BfArM in der Vergangenheit erlaubt, Gras in der Apotheke zu kaufen. Ein Gramm kostet aus der Apotheke rund 15 Euro. Das konnte sich der Patienten nicht leisten: Die Kosten beliefen sich im Monat auf rund 1500 Euro, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden.

Ausnahmeregelung bis Sommer 2017

Deshalb hat der Mann angefangen, selbst Cannabis anzubauen. Das ist aber bisher strafbar gewesen. Der Mann hat vor dem Bundesverwaltungsgericht für eine Ausnahmeregelung geklagt. Bereits im April hat das Bundesverwaltungsgericht das BfArM verpflichtet, "dem Kläger zu erlauben, Cannabis anzubauen, zu ernten und zum medizinischen Zweck seiner Behandlung zu verwenden". Jetzt hat die Behörde die Entscheidung umgesetzt.

In Deutschland gibt es rund 900 Patienten, die Cannabis als Medikament verwenden. Sie müssen aber ihr Gras weiterhin in der Apotheke kaufen. Die Ausnahmeregelung für den Patienten in Mannheim gilt nicht generell für alle anderen. Jeder muss für seinen eigenen Fall eine Ausnahmeregelung erkämpfen. Immerhin hat die Bundesregierung im Frühsommer einen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem Medizinalhanf in bestimmten Fällen verschreibungs- und erstattungsfähig werden soll. Sollten die Kosten künftig von den Krankenkassen übernommen werden, erlischt die zunächst bis Sommer 2017 erteilte Ausnahmeerlaubnis für den Mannheimer MS-Patienten.