Medienleute werden bei Demonstrationen teils angepöbelt, bedrängt oder sogar geschlagen. Besonders häufig passieren solche Übergriffe in Sachsen. Deshalb hat sich in Dresden die Initiative "Between the Lines" gegründet: Das sind Ehrenamtliche, die Journalist*innen auf Demos begleiten.

Hinter "Between the Lines" steht unter anderem Klemens Köhler. Er gründete die Initiative 2021. Inzwischen engagieren sich in der Dresdener Gruppe rund 20 Menschen, so unser Reporter Alexander Moritz. Fast jede Woche begleiten sie zu zweit oder zu dritt Journalist*innen auf Demonstrationen von "Querdenker*innen", Pegida oder rechtsextremen Parteien.

Wenn die Presse Schutz braucht

Bei diesen Demos kommt es vor, dass Teilnehmende Journalist*innen anbrüllen und auch handgreiflich werden. Die Mitglieder von "Between the Lines" stellen sich dann dazwischen, so Klemens Köhler: "Sie halten die Hände raus, halten den Sicherheitsabstand zwischen dem Journalisten oder der Journalistin und dem Angreifer oder der Angreiferin ein."

"Es kommen häufig Leute, die von vornherein grenzüberschreitend sind, keine Antwort abwarten, dann auch handgreiflich ins Equipment oder an die Journalisten rangehen."
Klemens Köhler, Gründer von "Between the Lines"

Die Mitglieder von "Between the Lines" setzen dabei auf Deeskalation. Oft sei es bereits hilfreich, wenn andere Personen bei den Journalist*innen stehen, so Klemens Köhler. Das halte mögliche Angreifer*innen teils zurück.

Doch insgesamt sei das Agressionspotential seit dem erneuten Lockdown im Winter 2021/2022 spürbar gestiegen. Die Gewalt gehe dabei nicht allein von organisierten Rechtsextremen aus, sondern auch von Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, so Klemens Köhler.

"Man kann nicht mehr absehen, wie viele Personen in einer Versammlung gerade Bock drauf haben, die Presse aktiv einzuschränken."
Klemens Köhler, Gründer von "Between the Lines"

Die Initiative begleitet bei Demonstrationen ausschließlich freie Journalist*innen, vor allem für Foto und Video. Denn für die Freien ist ein professioneller Sicherheitsdienst meist zu teuer.

"Between the Lines" geht es dabei auch darum, dass weiterhin aus kleineren Städten berichtet wird, so Klemens Köhler. Damit sich die Menschen vor Ort auch über seriöse Medien informieren können.

"Dass man sich nicht nur aus Telegram-Kanälen der 'Freien Sachsen' informieren kann. Was ja genau deren Ziel ist. Die wollen Zonen, wo keine Medien sind, wo sie ihre Propaganda streuen können."
Klemens Köhler, Gründer von "Between the Lines"

Die Freiwilligen begleiten bei Demos zum Beispiel die beiden Fotografen von vue.critique. Die Abiturienten aus Dresden fotografieren und filmen bei Protesten und verkaufen ihre Bilder - eigenen Angaben zufolge - auch an professionelle Medien. Unter Pseudonym allerdings, denn sie befürchten Übergriffe. Für die beiden Fotografen von vue.critique ist "Between the LInes" mittlerweile eine wichtige Unterstützung.

Die Polizei sieht "Between the Lines" kritisch

Dabei hat sich die sächsische Polizei den Schutz von Medien auf die Fahnen geschrieben, so unser Reporter. "Bei größeren Demonstrationen sind speziell geschulte Ansprechpersonen im Einsatz", sagt Alexander Moritz. Doch immer wieder beklagten Journalist*innen, dass die Polizei sie nicht schütze, sondern sie eher als Störfaktor wahrnehme. Dem widerspricht Marko Laske, Sprecher der Polizeidirektion Dresden.

"Der bessere Weg wäre, denke ich, dass man sich an die Polizei wendet und Schutz einfordert. Und den werden wir dann auch leisten."
Marko Laske, Sprecher der Polizeidirektion Dresden

Er sieht die ehrenamtliche Schutz-Begleitung bei Demos eher kritisch. Denn die Mitglieder der Initiative könnten selbst in Konflikte verwickelt werden.

Klemens Köhler und "Between the Lines" halten ihr Engagement weiter für nötig. Und mittlerweile bekommen sie Anfragen von Journalist*innen auch aus anderen Bundesländern.