Wie hat die Corona-Krise beeinflusst, wohin wir gehen? Der Google Mobility Report hat das nun sehr detailliert offengelegt. Dabei wird klar: Unser Zuhause und die Parks sind die neuen Hotspots.

Wer war in den letzten Wochen am meisten Zuhause? Wo wurden die Parks zu neuen Freizeit-Hotspots, oder wann wurde am meisten eingekauft? Dazu hat Google Anfang April Berichte für einzelne Länder veröffentlicht, die anhand von anonymisierten Standortdaten erstellt wurden. Nun hat Google die Liste umfangreich erweitert, sodass die Bewegungsdaten fast jedes Landes weltweit aufgelistet sind.

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Forschende, unter anderem der Universität London, haben die Bewegungsdaten von Google zum Anlass genommen, zu schauen, wie sich das Bewegungsverhalten in unterschiedlichen Ländern während der Corona-Krise verändert hat. Dazu haben sie verschiedene Diagramme erstellt. Verglichen wurden die Länder Deutschland, Schweden, Dänemark, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland.

Ab dem 10. März: #stayathome

Dabei konnten sie genau sehen, ab welchem Datum die Menschen plötzlich viel mehr zuhause blieben als zuvor, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ann-Kathrin Horn. Beispielsweise konnte man feststellen, dass in Italien die Menschen ab Ende Februar zuhause blieben, in anderen Ländern dagegen erst ab dem 10. März

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Auch die Unterschiede zwischen den Ländern wurden sehr deutlich: Während in Schweden die wenigsten Menschen zuhause blieben, waren es in Dänemark oder Deutschland etwas mehr. Am meisten blieben die Menschen in Italien, Spanien und Frankreich zuhause, erklärt Ann-Kathrin Horn.

"Man sieht bei den Ländern einen ziemlichen Unterschied. In Schweden sind die wenigsten Menschen zu Hause geblieben, in Deutschland und Dänemark waren es etwas mehr und sehr deutlich sieht man es in Italien, Frankreich und Spanien."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Noch interessanter als die Bewegungsdaten an sich, seien die Daten, die zeigen, wo, wann und wie lange die Menschen in die Parks gegangen sind, sagt Ann-Kathrin Horn. Ab dem 10. März seien hierzu die Zahlen in Italien, Spanien, Frankreich und Griechenland deutlich zurückgegangen, in Ländern wie Deutschland oder Schweden seien sie über den gesamten April und Anfang Mai zum Teil sehr stark angestiegen.

Detaillierte und umfassende Datensätze

Für die Forschenden der Universität London sind die Daten ein Glücksfall. So detaillierte Datensätze habe es noch nie für eine Pandemie gegeben. Für Deutschland gibt es beispielsweise eine Übersicht für jedes einzelne Bundesland. Dabei kann eingesehen werden, wie sich der Aufenthalt in Geschäften, Supermärkten, Parks, an Haltestellen, am Arbeitsplatz oder im eigenen Zuhause verändert hat.

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Die Daten zeigen beispielsweise, dass die Menschen in Deutschland fast 90 Prozent weniger einkaufen gegangen sind. Dass an Haltestellen fast 50 Prozent weniger und an Arbeitsplätzen 80 Prozent weniger Zeit verbracht wurde, zeigt, wie viele Menschen während der Corona-Krise im Homeoffice oder in Kurzarbeit sind und waren.

"Fast 50 Prozent weniger Zeit wurde an Haltestellen verbracht und 80 Prozent weniger bei der Arbeit. Das deutet also stark auf Homeoffice oder Kurzarbeit hin."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Daten zeigen auch die regionalen Unterschiede in Deutschland: Während in Schleswig-Holstein die Menschen rund 470 Prozent mehr Zeit in Parks verbrachten, waren es in Berlin nur 80 Prozent mehr, erklärt Ann-Kathrin Horn.

Daten durch aktivierten Standortverlauf

Die Daten für den Report habe Google von allen Userinnen und Usern gesammelt, die in ihren Smartphone-Einstellungen den Standortverlauf aktiviert hatten. Dieser ist in den Standardeinstellungen deaktiviert. Wer sicher gehen möchte, dass die persönlichen Bewegungsdaten nicht gesammelt wurden, sollte in seinen Einstellungen die Daten aus der Zeitachse löschen, rät Ann-Kathrin Horn.

Nur für politische Zwecke gedacht

Sein Vorgehen hat Google in einem Blog gerechtfertigt: Zum einen könnten die Daten nichts über Einzelpersonen aussagen, da sie alle anonymisiert erhoben wurden. Außerdem seien die Berichte nur aufgrund der Corona-Krise veröffentlicht worden und sollen nur so lange zur Verfügung stehen, wie sie den Ländern helfen können, das Virus einzudämmen. Zudem gebe es den Hinweis von Google, dass die Daten nicht für die persönliche Urlaubsplanung, sondern nur für politische Zwecke genutzt werden sollten.

"Google sagt auch, dass diese Berichte nur wegen der Corona-Krise veröffentlich werden und nur so lange, wie sie den Ländern helfen könnten, das Virus einzudämmen."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Beispielsweise sagt einer der Londoner Wissenschaftler, dass die Daten zeigen würden: Die Leute wollen raus in die Parks. Mit diesen Daten könnten Politiker beispielsweise erörtern, welche Verbote sinnvoll seien und welche nicht.