Bewertungen auf Reiseportalen lesen sich oft wie Horrorgeschichten. Unser Autor Christoph Sterz ist mutig: Er besucht die angeblich schlimmsten Orte seiner Stadt und schaut, wie es dort wirklich ist.

Ganz in der Nähe von der Kirche St. Kunibert befindet sich in der Altstadt von Köln ein Hotel mit Restaurant, das Kunibert der Fiese heißt. Ob der Bischof, nach dem zumindest die Kirche benannt ist, wirklich so fies war, weiß heute keiner mehr. Aber wenn man nach den Bewertungen des Reiseportals Tripadvisor geht, ist der Name dieses Restaurants absolut Programm.

"Die Pommes waren ungesalzen, das Jägerschnitzel teilweise nicht durch, die Soße glich einem Werkstoff, der eher Kitt zum Abdichten im Baugewerbe ähnelte“ - aber ganz so schlimm sieht’s gar nicht aus."
Nutzer-Bewertung auf Tripadvisor

Auf ins Abenteuer

Die User sprechen von überteuerter Tiefkühlkost und raten von einem Besuch ab. Aber sind die Nutzer auf diesen Portalen wirklich immer objektiv und stimmt das alles? Das fragte sich auch unser Autor Christoph Sterz. Sein nächster Gedanke war dann: "Sonne, Südsee, Palmenstrand - kann doch jeder - wieso nicht mal ein richtiger Abenteuerurlaub in der eigenen Stadt?"

"Boden klebrig, Haare im Bett, Haare an den Fliesen in der Dusche. Bett wahrscheinlich aus Baumarkt-Brettern zusammen geschraubt. Ich habe in 15 Jahren Außendienst viel gesehen, aber das übertrifft alles."
Nutzer-Bewertung auf Tripadvisor

Keine Kochkunst, aber okay

Unser Autor Christoph Sterz lässt sich von den Bewertungen nicht abschrecken und wagt den Selbstversuch: Er fährt ins Restaurant "Kunibert der Fiese" und bestellt ein Schnitzel mit Pommes. Und siehe da: ihm wird zwar keine hohe Kochkunst serviert, aber das Essen ist "okay und nicht ansatzweise eklig", wie die Kommentare im Netz behaupten.

"Der Flur war erschreckend, die Zimmertür war kaum zu öffnen. Und dann der Schock: so klein, ohne Tisch, ohne Stuhl und mit kaputten Scheiben. An der Badtüre waren braune Flecken, ich will lieber nicht wissen, was das war.“
Nutzer-Bewertung auf Tripadvisor

Als Hoteltester für eine Nacht wird er kostenlos nirgends reingelassen und 50 Euro ist ihm die vermeintlich "schlimmste Nacht seines Lebens" nicht wert. Also fährt unser Autor Christoph Sterz einfach in den Skulpturenpark - denn da kommt man kostenlos rein und der hat auch schon die eine oder andere schlechte Bewertung bei Tripadvisor abbekommen.

"Die sogenannte 'Kunst' war ein paar nutzlose Stücke Trödel. Es wäre viel besser, wenn es Bäume anstelle von Skulpturen geben würde. Immerhin ist es im Park sauber."
Nutzer-Bewertung auf Tripadvisor

Für 10 Euro kein Luxusmenü erwarten

Und Christophs Fazit: Für 10 Euro darf man keine Luxuxsmenüs erwarten. Und eine schlechte Bewertung auf einem Reiseportal kann viele verschiedene Gründe haben: vielleicht hatte der Verfasser einen schlechten Tag, vielleicht hat er einfach die Kunst, die es zu sehen gab, nicht verstanden. Christoph Sterz lässt sich Bewertungen höchstens inspirieren, macht sich in Zukunft aber lieber ein eigenes Bild von Orten über die im Internet Haarsträubendes berichtet wird.