Bezahlbarer Wohnraum ist in Großstädten ein leidiges Thema: Es gibt einfach zu wenig davon. In Zürich setzen einige Wohngenossenschaften auf das Cluster-Wohnen. Das sind große Wohnungen mit mehreren privaten Wohneinheiten und Gemeinschaftsflächen – und die Miete ist fair.

"Suche Wohnung in zentraler Lage, die bezahlbar ist." Viele Gesuche für Wohnungen in Großstädten fangen so oder so ähnlich an. Das Problem ist altbekannt: In Städten ist Wohnraum Mangelware, was wiederum die Mieten in die Höhe steigen lässt. Sogenannte Cluster-Wohnungen sollen dem Abhilfe schaffen.

Beim Cluster-Wohnen leben mehrere Menschen ähnlich wie in einer WG zusammen. Anders als in einer typischen Wohngemeinschaft haben die Bewohnerinnen und Bewohner jeweils ihre eigene Wohnung mit einem privaten Bad und manchmal auch mit einer privaten Küche. Zusätzlich gibt es Räume, die sie miteinander teilen wie das Wohnzimmer, die Gemeinschaftsküche oder den Balkon.

Wie eine WG mit mehr Luxus

Es ist wie die Luxusvariante einer großen WG, findet Robert. Er wohnt in Zürich in der "Kalkbreite", einer Siedlung mit einem Mix aus klassischen Wohnungen und Cluster-Wohneinheit. Robert teilt sich seine Cluster-Wohnung mit neun Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern.

Insgesamt leben sie dort auf 400 Quadratmetern und haben neben ihren eigenen Wohnungen, die zwischen 26 und 45 Quadratmetern groß sind, auch eine Gemeinschaftsküche, ein großes Wohnzimmer und ein Heimkino.

"Was ich hier gefunden habe, ist eine Groß-WG und noch mehr. Das ist die Luxusvariante einer großen Wohnung: Wir haben sieben Badezimmer für neun Erwachsene und ein Baby."
Robert wohnt in einer Zehner-Cluster-Wohnung in Zürich

Die Miete für die Cluster-Wohnung ist vergleichsweise niedrig, weil das Wohnprojekt in Zürich eine Genossenschaft ist. Ihnen geht es also darum, langfristig bezahlbaren Wohnraum in zentraler Lage zu sichern, statt möglichst viel Geld mit der Vermietung zu machen.

Bei Cluster-Wohnprojekten in Deutschland ist es ähnlich. Meistens werden sie von Wohngenossenschaften getragen, manchmal aber auch von kommunalen oder gemeinnützigen Trägern.

Teilen und nachhaltig sein

Der nachhaltige Ansatz zieht sich durch das gesamte Wohnprojekt. Es geht darum, auf vielen Ebenen Ressourcen zu schonen, erklärt Christine Seidler. Sie ist Mitinitiatorin der Genossenschaft Kalkbreite und Professorin für Stadtentwicklung an der Fachhochschule Graubünden.

Damit die Bewohnenden zum Beispiel vom Auto auf das Fahrrad umsteigen, können sie sich Lastenräder ausleihen und haben öffentliche Verkehrsmittel direkt um die Ecke. Wer dort wohnen möchte, soll ein eigenes Auto nur in Ausnahmefällen besitzen.

"Viele Menschen verschreiben sich mittlerweile nachhaltigeren Lebensformen. Und zu zweit auf 400 Quadratmetern zu leben, ist einfach nicht nachhaltig."
Christine Seidler, Mitinitiatorin der Genossenschaft Kalkbreite in Zürich

In der Siedlung können die Bewohnerinnen und Bewohner zusätzlich eine Werkstatt, eine Sauna und auch multifunktionale Räume zum Beispiel für Partys mit nutzen. In der Wohnsiedlung und in der Cluster-Wohnung steht die Gemeinschaft immer im Mittelpunkt.

In Zürich zieht das Cluster-Wohnen momentan eher jüngere Menschen an als ältere, sagt Christine Seidler. Ursprünglich sei das Wohnkonzept dort aber für Menschen nach der Rente gedacht worden. Grundsätzlich ist eine Durchmischung der verschiedenen Altersgruppen aber gewünscht.