Zucker ist ungesund. Die Erkenntnis ist alt. Uralt. Nur hat die Zuckerindustrie es jahrelang geschafft, den Verdacht auf Fette und Cholesterin zu lenken.

Zwischen Zucker und Herzkrankheiten besteht ein Zusammenhang. Das haben Wissenschaftler schon in den 1960er Jahren festgestellt. Nur kam die Botschaft nicht in der Öffentlichkeit an. Verantwortlich dafür war die Sugar Research Foundation, ein Zucker-Lobby-Verband in den USA, der seit 1965 Studien gesponsert hat, die die Bedeutung von Zuckerkonsum für Herzkrankheiten heruntergespielt haben.

Stattdessen legen die Studien dar, dass Fett und Cholesterin für die Zunahme solcher Krankheiten verantwortlich sind. Herausgefunden haben das Forscher aus San Francisco, die historische Dokumente und Konferenz- und Jahresberichte aus den 60er- und 70er-Jahren ausgewertet haben. Ihre Untersuchung haben sie jetzt im Journal of the American Medical Association veröffentlicht.

"Projekt 226"

Die Forscher konnten nachweisen, dass die Manipulationen begannen, nachdem in den frühen 1960er Jahren einige Studien erschienen waren, die einen Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Herzkreislaufkrankheiten herstellten. Die Zuckerlobby beschloss daraufhin das "Projekt 226", das Forscher dafür bezahlte, dass sie in Übersichtsartikeln die Rolle von Fetten und Cholesterin bei der Krankheitsentstehung überbetonten und die des Zuckers übergingen.

Win-win-Situation für Zuckerindustrie

Für die Zuckerindustrie war das eine Win-win-Situation: Erstens konnte sie von den schädlichen Effekten von Zucker ablenken, zweitens profitierte sie davon, dass das Fett in Misskredit geriet. Denn wenn sich Leute fettarm ernähren, essen sie zwangsläufig mehr Zucker. Der Leiter der Sugar Research Foundation, Henry Hass, wies schon 1954 in einer Rede daraufhin, dass man eine "strategische Gelegenheit" habe, den Zuckerverbrauch um etwa ein Drittel zu steigern, wenn man die Menschhen davon überzeuge, weniger Fett zu essen.

Bezahlte Forscher

Ergebnis des Projekts 226 war unter anderem ein Übersichtsartikel, der 1967 im renomierten New Engalnd Journal of Medicine erschien und dessen Autoren mehrer Tausend Dollar von der Zuckerlobby bekommen hatten. Der Artikel kam zu dem Ergebnis, dass nur Cholesterin und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, nicht aber Zucker vermieden werden müssten, damit die Amerikaner seltener Herzkreislaufkrankheiten bekommen. Neben den Autoren wirkte auch die Sugar Research Foundation am Text des Artikels mit.

In einem Brief lobt der Vizepräsidenten der Sugar Research Foundation denn auch die Arbeit der bezahlten Forscher: "Genauso haben wir uns das vorgestellt." Insgesamt hat die amerikanische Zuckerindustrie damals 600.000 US-Dollar ausgegeben, um die Öffentlichkeit über den Nutzen des Zuckers "aufzuklären". Das entspräche heute etwa 5,3 Millionen Dollar.

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