Es ist das "Fest der Liebe". Aber auch das Fest, an und nachdem es deutlich mehr Trennungen gibt als im Rest des Jahres. Trennungen gehören zum Leben dazu, aber wie trennt man sich richtig? Deutschlandfunk Nova Reporter Benni Bauerdick hat versucht das herauszufinden.

Die Vorweihnachtszeit und der Geschenkmarathon sind anstrengend, der Job kurz vor Weihnachten auch. Gleichzeitig prallen beim Fest der Liebe die Vorstellungen davon, was Liebe eigentlich für beide bedeutet aufeinander. Da gibt es dann leicht Streit und: viele Paare trennen sich kurz vor, an, oder nach Weihnachten. Wirklich belastbare Zahlen dazu gibt’s nicht. Aber Scheidungsanwälte und Paartherapeuten beobachten das alle Jahre wieder.

Aber was können wir tun, damit so eine Trennung weniger dramatisch passiert, als wir das vielleicht bisher erlebt haben? Der Beziehungscoach Eric Hegmann sagt, dass wir auf den klassischen Satz "Wir müssen reden" lieber verzichten sollten, denn dieser Satz löse bei vielen Menschen Panik aus. Sie reagieren dann wie auf einen Angriff.

"Und da gibt es nur drei Varianten, die wir evolutionär drauf haben. Das eine ist Gegenangriff, das andere ist Flucht und das dritte ist Schockstarre. Alles drei bringt sie als Paar nicht weiter."
Eric Hegmann, Beziehungscoach

Sebastian hat genau so eine Trennung erlebt. Er arbeitet in einer Kneipe. Sein Ex-Freund ist dann vorbeigekommen, unter dem Vorwand, er wolle ihm seinen Schal auf die Arbeit bringen. Sebastian erinnert sich: "Und dann bin ich vor die Tür gegangen und dann stand er da mit dem Schal. Und dann bin ich auf ihn zu und hab ihn geküsst und das hat er auch noch zugelassen." Und dann kam dieser Satz: "Du wir müssen mal reden."

Beziehungsende: SMS oder persönliches Gespräch?

Zumindest war es dann ein persönliches Gespräch. Und keine SMS. Die gilt als No-Go beim Schlussmachen. Allerdings sagt die Deutsche Knigge-Gesellschaft, wenn man sich im Internet kennengelernt habe und vielleicht sogar eine Fernbeziehung führe, dann könne es durchaus in Ordnung sein.

"Man darf ja auch nicht vergessen, dass es ja auch in verschiedenen Stadien des Lebens, verschiedene intensive Beziehungen gibt. Und manchmal ja so schnell hingehuschte Trennungen auch total okay sind."
Laura Ewert hat das Buch geschrieben: "Schluss jetzt! von der Freiheit sich zu trennen."

Viele Menschen fürchten sich vor dieser unangenehmen Situation des Schlussmachens. Manche sind auch einfach nur feige und drücken sich vor der endgültigen Aussprache. In Wien gibt es eine Agentur, die das als Geschäftsmodell entdeckt hat: eine Trennungsagentur. Telefonisch, per Brief oder persönlich – alle Varianten des Schlussmachens sind im Angebot. Das Basic-Angebot enthält eine Box mit Taschentüchern, Schokolade und Sekt. Auch der Paartherapeut Eric Hegmann hat von solchen Dienstleistungen gehört und kann es nachvollziehen, dass die Dinge am ende so geregelt werden – besonders dann, wenn jemand betrogen wurde und den Kontakt zum Partner nicht mehr erträgt. In vielen anderen Fällen sei es aber besser, das persönliche Gespräch zu suchen, sagt der Paartherapeut.

"Wurden sie beispielsweise betrogen, dann kann es sein, dass sie vielleicht gar nicht mehr den Kontakt zu dem Partner ertragen können. Und dann wollen Sie vielleicht nicht im persönlichen Gespräch Schluss machen."
Eric Hegmann, Beziehungscoach

Lisa aus Köln hat sich nach fünf Jahren Beziehung von ihrem Freund getrennt, der hatte sie belogen. Weil sich beide eigentlich nicht trennen wollten, haben sie drei Tage lang zusammengesessen und geredet. Danach waren sie sich einig: Wir beenden die Beziehung. Schließlich haben sie danach aber noch drei Monate lang zusammen in der gemeinsamen Wohnung gelebt, bis ihr Ex-Freund eine neue Wohnung gefunden hat. Für Lisa war es der richtige Weg, auch wenn sie es nicht unbedingt empfehlen würde.

"Ich würde es keinem empfehlen so zu machen, weil es sehr sehr schwierig war. Und mit sehr viel Tränen und sehr viel Leid verbunden war. Aber es war für mich genau richtig."
Lisa über ihre Trennung, nach der sie noch drei Monate mit ihrem Freund zusammengelebt hat

Der Beziehungscoach Eric Hegmann sagt: Tränen und Trauer lassen sich bei einem Beziehungsende nicht verhindern, aber wichtig sei immer noch der Respekt. gegenüber dem Partner oder der Partnerin - und gegenüber sich selbst.

"Seien sie direkt, halten sie ihn auch nicht hin, machen sie ihm keine falschen Hoffnungen! Das verlängert nur das Leid und den Liebeskummer."
Eric Hegmann, Beziehungscoach