Wenn ein Paar lange zusammen ist, kann es passieren, dass sich die Partner als selbstverständlich hinnehmen und schon mal einen Jahrestag, der gerade dem Partner sehr wichtig ist, vergessen. Eine App für Paare will dabei helfen, wieder aufmerksamer für einander zu werden.

Die App, die die Paare Sophie und Jan und Sebastian und Sonja für uns getestet haben, heißt Paaradies. Sophie und Jan sind seit vier Jahren ein Paar. Als sich Sophie die kostenfreie App auf ihr Smartphone herunterlädt, fragt die erst einmal viele Daten ab: den Geburtstag, den Namenstag, den Kosenamen, den Hochzeitstag, den Jahrestag, den Tag des Kennenlernens und viele weitere Daten. Das stimmt Sophie schon einmal skeptisch, weil sie sich Gedanken um den Datenschutz macht.

"Ich möchte doch an unserer Beziehung arbeiten, damit es uns gut geht. Wie schlimm ist es denn, wenn mir unser Wohlbefinden weniger wichtig ist, als die Anzahl der Blätter am Baum?"
Sophie ist mit Jan zusammen und testet die kostenlose Paar-App Paaradies

Die App stellt dem Paar Aufgaben. Beispielsweise schlägt sie den Partnern vor, sich gegenseitig Komplimente zu machen. Wie erfolgreich die beiden in ihrer Beziehung sind, das heißt, wie viele Aufgaben die beiden erledigt haben, wird grafisch von der App dargestellt. Für jedes Kompliment wächst an ihrem virtuellen "Beziehungsbaum" ein weiteres Blatt.

Es gibt auch noch weitere Funktionen: Die Paaradies-App erinnert an Termine, die Partner bekommen Anleitung und Hilfe bei Konfliktlösungen und bietet Ideen und Anregungen für Zeit zu zweit.

Beziehungsbaum wichtiger als Glück?

Sonja und Sebastian, die auch die App getestet haben, finden, dass sie Denkanstöße bietet. Denn oft haben wir im Alltag so viel Stress, dass wir gar nicht daran denken, dem anderen eine Liebesbotschaft zu senden. Allerdings findet Sebastian, der seit 12 Jahren mit Sonja zusammen ist, die App optisch nicht ansprechend und ausreichend strukturiert.

Tägliche Aufgaben könnten helfen dranzubleiben

Sebastian erwartet, dass eine Paar-App ihm täglich Aufgaben stellt. Zumindest bräuchte er das, um die App täglich zu nutzen. Außerdem findet er, dass das Programm ein schönes Design haben und Spaß machen muss, damit man es wirklich regelmäßig anwendet.

Studien haben gezeigt, dass Apps die kostenpflichtig sind, regelmäßiger genutzt werden, weil Geld zu zahlen uns das Gefühl geben kann, dass wir uns zu etwas verpflichtet haben.

Sophie findet die Vorstellung schlimm, dass sich Partner gegenseitig Komplimente machen, um Bonus-Blätter für den Beziehungsbaum der App zu sammeln. Sie möchte lieber an ihrer Beziehung arbeiten, weil sie ihr wichtig ist und weil sie möchte, dass es ihr und ihrem Partner gut geht.

"Komplimente helfen, dem anderen das Gefühl zu geben: Ja, ich werde wirklich wahrgenommen als reale Person mit Gefühlen, mit meinen Emotionen, mit meinen Wünschen und meinen Bedürfnissen."
Eric Hegmann, Paartherapeut und Beziehungscoach

Dem Paartherapeut Eric Hegmann gefällt an der App, dass sie uns daran erinnert, Komplimente zu machen, um unserem Partner zu zeigen, dass wir ihn wertschätzen. Allerdings sieht der Beziehungscoach auch Mängel. Er findet es wichtiger, dass wir in einer Beziehung Gefühle aussprechen. Die App hingegen kümmere sich mehr um Alltägliches und Oberflächliches, wie zum Beispiel die Möbel neu zu arrangieren oder zu sagen, dass der andere eine hübsche Frisur hat oder einen schönen Anzug trägt.

"Diese App sieht für mich halt eher nach Arbeit und Produktivität aus. Und nicht nach: "Oh ich beschäftige mich mit der schönsten Sache in meinem Leben."
Sophie ist mit Jan zusammen und testet die kostenlose Paar-App Paaradies

Es gibt verschiedene Apps, die uns helfen können, wieder Schwung in unsere Beziehung zu bringen. Einige davon sind kostenpflichtig. Das Institut für Kommunikationstherapie in München hat die Paaradies-App entwickelt und bietet sie kostenfrei an. Die Entwickler erhielten Zuschüsse vom bayrischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.

Egal, welche App wir nutzen, der Paartherapeut Eric Hegmann rät Paaren, so eine App prophylaktisch herunterzuladen und nicht erst so lange zu warten, bis sich die Probleme in der Beziehung auswachsen.