Insektensterben, Bienensterben? Ein Projekt im Bodenseeraum kämpft gegen den Trend - mit einfachen Mitteln und mit Erfolg.

Insektenhotels, diese Kästen mit Röhrchen, bringen wirklich was. Am Bodensee bieten Obstbauern verschiedenen Wildbienenarten seit Jahren im größeren Stil solche sicheren Unterkünfte.

Unserer Reporterin Verena von Keitz hat sich das Projekt und seine Ergebnisse angeguckt. In den Obstplantagen hat sich die Zahl der Wildbienenarten seit vier Jahren mehr als verdoppelt und insgesamt haben sich die Bestände der bedrohten Insekten erholt.

63 Arten sind hinzugekommen

Seit 2010 gibt es das Projekt. Inzwischen beteiligen sich pro Jahr mehr als 100 Obstbaubetriebe, ein großer Einzelhandelskonzern und die Bodensee-Stiftung. Anfangs waren auf den Plantagen 54 verschiedene Wildbienen-Arten nachweisbar, inzwischen sind es 117. Das ist deswegen sehr erfreulich, weil Untersuchungen belegen, dass es immer weniger Insekten und Bienen gibt.

Im Rahmen des Projekts wurden systematisch Nisthilfen aufgestellt. Zum Teil beziehen die Bauern auch Wildbienen von Züchtern und setzen sie gezielt in ihren Plantagen aus. Dort können sich die Tiere dann ansiedeln und vermehren.

Mit Blühflächen und Bienenhotels

Inzwischen kann jedermann auch Hummeln im Netz bestellen. Für den Erfolg des Projekts am Bodensee ist vor allem wichtig, dass in den Obstbaumplantagen überall Blühflächen mit vielen verschiedenen Blühpflanzen angelegt worden sind, auch Hecken.

Genau solche Flächen sind sehr wichtig, weil viele Wildbienenarten gar keine Röhre im Bienenhotel haben wollen, sondern im Boden nisten - das sagt auch Alexandra Klein, Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie an der Uni Freiburg.

"Die Blühstreifen sind nicht nur ein Jahr dort, sondern über einen längeren Zeitraum, und so können auch wieder bodenbrütende Arten Lebensraum finden."

Eine Ursache für das Insektensterben ist, dass die industrialisierte Landwirtschaft für Wildbienen und Co. keinen Lebensraum mehr übrig lässt (Studie).

Von mehr Wildbienen profitieren auch die Obstbauern. Eine umfassende Studie zeigt, dass der Ertrag von Früchten und Gemüse deutlich ansteigt, wenn auch Wildbienen dort unterwegs sind. Honigbienen sind ziemlich eingefahren in ihrem Sammelverhalten. Die fliegen oft im gleichen Baum herum. Zur Bestäubung braucht es aber in der Regel Pollen von den Blüten anderer Bäume.

Das machen die Wildbienen besser, sagt Wildbienenexpertin Alexandra Klein.

"Es ist so, dass Wildbienen pro Blütenbesuch eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, dass sie bestäuben. Bei den Honigbienen sind viele Besuche dabei, bei denen sie nicht bestäuben. Teilweise interagieren die auch miteinander, sodass die Wildbienen die Honigbienen dazu bringen, dass sie mehr zwischen den Bäumen fliegen."

Also sind die Wildbienen auch noch eine Art Weiterbildungsabteilung für Honigbienen, meint Verena. Wildbienen sind meistens auch wetterfester als Honigbienen: Die Honigbienen bleiben bei Regen oder Bewölkung und Temperaturen unter 12 Grad in ihren Stöcken, die Wildbienen sind auch bei schlechtem Wetter und kälteren Temperaturen unterwegs.

Und damit können sie zum Beispiel bei Apfelbäumen die Bestäubung sicherstellen, auch wenn es noch kühl und wechselhaft ist. Das ist ein klarer ökonomischer Vorteil für die Obstbauern. Für die lohnt es sich wirklich, Wildbienen zu hegen und zu pflegen.

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