Nicht nur Honigbienen, auch Wildbienen sind bedroht. Um mehr über ihre Lebensweise herauszufinden, haben Münchner Biologen Hunderte der kleinen Brummer markiert. Jetzt hoffen sie auf unsere Hilfe, um die Bienen langfristig zu retten.

Im Botanischen Garten in München schwirren aktuell 400 Wildbienen mit einer Rückennummer durch die Gegend. Für ein Forschungsprojekt haben Biologen von der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Botanischen Staatssammlung München Wildbienen der Art Osmia cornuta (gehörnte Mauerbiene) mit einer Markierung ausgestattet. Mit ein bisschen Schellack wurden den Bienen kleine Plastikplättchen auf den Rücken geklebt. "Das ist, als ob die Dreck oder eine Pollenladung drauf haben, das stört die nicht weiter", sagt Biologe Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung.

Forscher wollen Fotos

Bei den Männchen war das Ganze relativ einfach, erklärt Andreas Fleischmann. Die konnten die Forscher einfach mit den Fingern packen - männliche Bienen haben nämlich keinen Stachel. Bei den Weibchen haben die Biologen kleine Imkerröhrchen benutzt, mit denen sie die Wildbienen kurzzeitig fixieren konnten.

Das Ganze ist ein Mitmach-Projekt: Wer eine der markierten Bienen irgendwo in München entdeckt, kann das den Biologen melden. An wildbienen@bio.lmu.de können Bienensichter ein Foto von der Wildbiene samt Rückennummer, Ort und Datum der Sichtung schicken. Dank der Nummer wissen die Forscher sofort, um welche Biene es sich handelt.

"Man weiß noch viel zu wenig darüber, wie Bienen sich ausbreiten."
Biologe Andreas Fleischmann über Wildbienen

Mehr über Wildbienen lernen

Nicht nur die Honigbiene ist vom Bienensterben betroffen, auch die Wildbiene ist gefährdet. Deshalb wollen die Biologen möglichst viel über sie herausfinden, um sie besser schützen zu können: Wenn sie zum Beispiel wissen, wie weit die Bienen fliegen, um Nektar oder Pollen zu sammeln, dann können anhand dieser Erkenntnisse an den richtigen Stellen blühende Oasen oder Nisthilfen geschaffen werden.

"Wildbienen sind ganz wichtige Bestäuber", sagt Andreas Fleischmann. "Genauso wichtig wie Honigbienen, wenn nicht noch viel wichtiger. Denn es gibt Pflanzen, die können von Honigbienen nicht bestäubt werden. Die brauchen Wildbienen und Hummeln."

Wildbienen sind zahmer als Honigbienen

Wer möchte, der kann den Wildbienen auch im eigenen Garten helfen. Zum Beispiel durch den Bau einer Nisthilfe. Und wer eine Schlehe oder eine Kornelkirsche pflanzt, der schafft außerdem eine gute Umgebung für die Bestäuber. Angst vor Wildbienen braucht man nicht zu haben - sie sind kaum aggressiv.

"Wildbienen gehen einer Konfrontation eher aus dem Weg und stechen nicht. Bei den meisten Arten, die kleiner sind als Honigbienen, ist der Stich auch nicht schmerzhaft."
Andreas Fleischmann, Biologe

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