Seit 2014 gibt es die vertrauliche Geburt: Frauen können anonym gebären, gleichzeitig haben die Kinder die Chance, später etwas über ihre Herkunft zu erfahren.

Es geht um Ausnahmesituationen. Wenn Frauen ungewollt ein Kind bekommen, passiert das oft im Geheimen, zuhause, unterwegs, häufig sind sie auf sich alleine gestellt. Für absolute Notsituationen gibt es die Babyklappen. Und seit drei Jahren gibt es zudem für Frauen eine gesetzlich abgesicherte Möglichkeit, anonym im Krankenhaus zu entbinden: die vertrauliche Geburt. 

Stärkung der Kinderrechte

Hier funktioniert der Kontakt über Beratungsstellen oder Beratungshotlines. Die Beraterinnen und Berater sind an eine gesetzliche Schweigepflicht gebunden: "Dort wird organisiert, dass die Frauen in ein Krankenhaus oder zu einer Hebamme kommen", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Jörg Seisselberg, "die Geburt verläuft anonym ab".

"Die Mutter muss den Ärzten und Hebammen ihren Namen nicht nennen. Im Gesetz ist aber vorgeschrieben, dass ihr Name in einem versiegelten Umschlag deponiert wird."
Jörg Seisselberg, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Das Kind wird ans Jugendamt gegeben, das eine Adoptivfamilie sucht. Möchte das Kind später erfahren, wer seine Mutter ist, hat es bei der vertraulichen Geburt die Möglichkeit dazu: Nach 16 Jahren kann es auf das versiegelte Schreiben zugreifen. 

Nur in Ausnahmefällen kann die Mutter auch danach auf Anonymität bestehen. Sie muss nachweisen, dass dadurch eine Gefahr für Leben, Gesundheit oder Freiheit für sie bestehe.

Anrufe kurz vor der Geburt

Bundesfamilienministerin Katarina Barley zieht drei Jahre nach der Einführung Bilanz. 1600 Frauen haben sich telefonisch beraten lassen, in 1300 Fällen befanden sie sich in schwerer seelischer Not. Das waren etwa Frauen mit Gewalterfahrungen oder Frauen, die bereits in den Wehen lagen, als sie Kontakt aufnahmen.

Im Untersuchungszeitraum von Mitte 2014 bis Ende 2016 haben sich laut Bericht 249 Frauen aus der Beratung heraus für eine vertrauliche Geburt entschieden. Im Durchschnitt finde jeden dritten Tag eine solche Geburt in Deutschland statt, so die Bilanz des Bundesfamilienministeriums.

"Gleichzeitig ist die Zahl der ausgesetzten oder in einer Babyklappe abgegeben Kinder gesunken."
Jörg Seisselberg, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Für das Familienministerium ist die vertrauliche Geburt auch ein Weg, Frauen an das Hilfesystem heranzuführen – und um überhaupt mit ihnen in Kontakt zu kommen. Daher ist das Beratungsangebot hier besonders niedrigschwellig.

Weg aus der Anonymität

Schließlich gibt es auch für die Mütter einen Weg zurück: Bis das Adoptionsverfahren abgeschlossen ist, haben sie die Möglichkeit, sich zu melden. Wird die Mutterschaft zweifelsfrei festgestellt, prüft das Jugendamt genau, ob das Kind zurück zur Mutter kann.