An fast allen Schulen – das gilt für alle Ausrichtungen und für fast alle Fächer – herrscht akuter Lehrermangel. Wieso das so ist und welche Chancen das für Neu- und Quereinsteiger bietet, erklärt unser Reporter und Bildungsexperte Armin Himmelrath.

Alleine in diesem Schuljahr fehlen bundesweit mindestens 15.000 Lehrer, das zeigen die aktuellen Zahlen der Lehrerverbände, sagt unser Reporter Armin Himmelrath. Wenn man sich die nächsten Jahre anschaut – bis 2025 –, dann ergibt die Prognose, dass in den Grundschulen bis zu 35.000 Lehrerstellen nicht besetzt werden können. Das hat eine Bertelsmann-Studie ergeben. Dirk Zorn, einer der Studienautoren nennt drei Gründe für den akuten Lehrermangel:

  • viele Lehrkräfte wechseln gerade in den Ruhestand, sie müssen ersetzt werden
  • steigende Schülerzahlen, seit 2012 gibt es einen Geburtenanstieg
  • politische Reformen: Ausbau von Ganztagsschulen oder Inklusion
"Viele Lehrkräfte wechseln jetzt in den Ruhestand, die müssen ersetzt werden. Der zweite Faktor sind die steigenden Schülerzahlen."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk Nova

Wenn man sich die Prognose für weiterführende Schulen ansieht, kommen noch einmal ähnlich hohe Zahlen zusammen, wie für die Grundschulen, sagt Armin Himmelrath. Wer sich jetzt dafür entscheidet, Lehrer zu werden, trifft eine gute Wahl, sagt der Bildungsexperte. Allerdings ist es wichtig, sich vorher genau zu informieren: Denn es fehlen zwar Lehrer, aber nicht überall gleich viele. Die Gymnasien sind zurzeit eher noch überversorgt, sagt Armin Himmelrath. Wo besonders viele Lehrkräfte fehlen, sind Grundschulen, Haupt- und Realschulen, Förderschulen und vor allem auch Berufsschulen. In Berufsschulen herrscht der Lehrermangel schon seit einigen Jahren. In manchen Kollegien sei noch nicht einmal jeder zweite eine ausgebildete Lehrkraft.

Wo der größte Bedarf herrscht

Wer allerdings erst jetzt mit einem Lehramtsstudium beginnt, sollte auch im Hinterkopf haben, dass der Bedarf, laut Experten, bis 2026 wieder ein wenig zurückgehen wird. Armin Himmelrath empfiehlt also eher Seiteneinsteigern, Studienwechslern und Quereinsteigern, sich zum Grundschullehrer ausbilden zu lassen. Für Studienanfänger, die erst in rund sieben Jahren mit dem Lehramt und dem Referendariat fertig sind, könnte es, wenn der Bedarf in den nächsten Jahren wieder zurückgeht, schon wieder etwas schwieriger werden, eine Anstellung zu finden.

"Für Studienumsteiger könnte es interessant sein – wenn ich bisher Sozialpädagogik mache, schon relativ weit bin – mir Scheine anrechnen zu lassen, dann kann ich vielleicht ins Lehramt reinwechseln. Das wäre eine Variante."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk Nova

Den größten Bedarf sieht Armin Himmelrath zurzeit an Berufsschulen. Außergewöhnliche Fächer, wie Betriebswirtschaft oder E-Technik, sind dann schon fast eine Garantie dafür, dass ein Lehrer auf Jobsuche auch eine Stelle findet, sagt der Bildungsexperte. Es sei außerdem vermutlich leichter, mit diesen Fächern angestellt zu werden als mit Deutsch oder Biologie. Das gleich gilt für Informatik und Physik. Hier stehen weniger Lehrer zur Auswahl als in Fächern, wie Sport oder Sozialwissenschaften.