Im Zusammenhang mit der Corona-Krise wurde die Kritik an der Bill-and-Melinda-Gates-Foundation und ihren Investitionen immer lauter. Ist die Kritik berechtigt?

Aktuellen Zahlen zufolge besitzt die Bill-and-Melinda-Gates-Foundation ein Vermögen von über 43 Milliarden US-Dollar. Dabei gibt es zwei Bereiche: Zum einen die Stiftung selbst und dazu einen extern verwalteten Treuhandfonds, aus dessen Gewinnen sich die Stiftung finanziert.

Die Aufgabe der Stiftung soll es nach eigenen Angaben nicht sein, langfristig gewinnorientiert zu arbeiten, sondern das Geld innerhalb von 20 Jahren nach dem Tod von Bill und Melinda Gates komplett auszugeben, erklärt Katharina Wilhelm, ARD-Korrespondentin für Los Angeles.

"Die Stiftung selbst sagt: Wir arbeiten nicht langfristig gewinnorientiert. Das heißt: Das Ziel soll sein, dass das Geld innerhalb von 20 Jahren nach dem Tod von Bill und Melinda Gates komplett ausgeben wird."
Katharina Wilhelm, ARD-Korrespondentin für Los Angeles

Im Zusammenhang mit der Corona-Krise wurde die Kritik immer lauter, dass die Stiftung in Unternehmen investiert, die sehr gewinnorientiert arbeiten und dem Gemeinwohl mehr schaden als dienen.

Größtenteils privates Startkapital

Das Startkapital der Bill-and-Melinda-Gates-Foundation stammt aus Gewinnen von Microsoft, also der Firma, die Bill Gates damals mitbegründet hat. Das Ehepaar Gates hat rund ein Drittel seines gesamten Vermögens in die Stiftung investiert. Nach eigenen Angaben seien das zwischen 1994 und 2018 mehr als 36 Milliarden US-Dollar gewesen. Als dritte große Quelle gilt der mit dem Ehepaar befreundete Milliardär und Großinvestor Warren Buffet.

Vermögen abgeben, Steuern sparen

Gemeinsam mit Warren Buffet ist das Gates-Ehepaar außerdem Initiator der Kampagne "The Giving Pledge", bei welcher Reiche sich selbst verpflichten, einen Großteil ihres Vermögens für gute Zwecke abzugeben und andere Reiche ebenfalls davon überzeugen wollen. Andere Millionäre und Milliardäre handeln ähnlich. Beispielsweise hat auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg zusammen mit seiner Frau eine Stiftung gegründet.

Das sei aber sicherlich keine rein menschenfreundliche Aktion, sagt Katharina Wilhelm. Denn die Gründung einer Stiftung hat auch steuerliche Vorteile. Bill und Melinda Gates haben nach eigenen Angaben über die letzten Jahre 3,4 Milliarden Us-Dollar an Steuern eingespart, was aber im Vergleich zu den reingesteckten Investitionen nur wenig Geld sei.

Investition in gewinnorientierte Unternehmen

Einer der größten Kritikpunkte sind die ausgewählten Unternehmen, in welche die Bill und Melinda Gates Foundation investiert. Wie man auf der Webseite sowie in den Berichten der US-Börsenaufsicht nachlesen kann, gehören beispielsweise Investitionen in den Einzelhandels-Riesen Walmart zu den prominentesten. Dieser ist mit 11,6 Millionen Aktien und somit einem Marktwert von fast 1,4 Milliarden US-Dollar die fünftgrößte Beteiligung im Aktien-Portfolio der Stiftung.

Die größte Beteiligung im Portfolio ist die Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway mit Warren Buffet als Vorsitzendem. Fast 50 Millionen Anteile hält hier die Bill-and-Melinda-Gates-Foundation.

"Die größte Beteiligung im Portfolio der Stiftung ist die Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway, deren Vorsitzender Warren Buffet ist - die Stiftung hält hier fast 50 Millionen Anteile."
Katharina Wilhelm, ARD-Korrespondentin für Los Angeles

Google, Apple und Amazon sind Teil des Portfolios

Auch große Tech-Firmen wie Google, Apple und Amazon sind im Portfolio der Gates-Stiftung zu finden. Hierbei wird vor allem kritisiert, dass diese Firmen sehr gewinnorientiert arbeiten und teilweise Steuern umgehen wollen. Außerdem wird Firmen wie Amazon aber auch Walmart vorgeworfen, dass sie ihre Mitarbeiter schlecht behandeln und beispielsweise im Krankheitsfall keinen Lohn weiterauszahlen.

"Großkonzernen wie Walmart oder auch Amazon wird immer wieder vorgeworfen, dass sie ihre Mitarbeiter schlecht behandeln, weil sie zum Beispiel keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zahlen."
Katharina Wilhelm, ARD-Korrespondentin für Los Angeles

In der Vergangenheit wurde auch die Investition in Firmen, die Öl, Gas oder Kohle fördern, und somit umwelt- und klimaschädlich agieren, sehr kritisch gesehen. Im aktuellen Fonds seien hierzu direkt jedoch keine Investitionen mehr zu finden.

Zusammenarbeit mit Pharmaunternehmen

Weitere Investitionen der Stiftung fließen auch in Agrar- und Pharmaunternehmen, auch in die deutschen Unternehmen CureVac oder Bayer. Auch wenn sich hier die Zusammenarbeit meistens gezielt auf Projekte im Impf- und Empfängnisverhütungsbereich konzentriert, gibt es viele Kritiker, die der Stiftung vorwerfen, dass sie Impfungen weltweit forcieren, um von den Gewinnen der beteiligten Unternehmen zu profitieren, sagt Katharina Wilhelm.

Paradoxe Investitionen

Dass Bill Gates, der als Geschäftsmann ein weltweites Computer-Imperium aufgebaut hat, nicht wirtschaftlich oder gewinnorientiert denkt, scheint eher unwahrscheinlich. Man könnte es so sehen: Für die Stiftung mache es grundsätzlich Sinn, in Unternehmen zu investieren, die versprechen, viel Gewinn abzuwerfen. Denn nur so hat auch die Stiftung genug Geld, um ihre vielen Projekte gut zu finanzieren, sagt Katharina Wilhelm.

"Man könnte sagen: Klar, dass er in Unternehmen investiert, die versprechen viel Gewinn abzuwerfen. Schließlich will er ja, dass seine Stiftung gut arbeiten kann – und dazu benötigt sie Geld."
Katharina Wilhelm, ARD-Korrespondentin für Los Angeles

Andererseits gebe sich die Stiftung als Wohltäterin, die die Schwächsten in der Gesellschaft unterstützen und nachhaltige Projekte fördern möchte, sagt Katharina Wilhelm. Da sei es schon schwer zu vereinbaren, wenn Firmen im Portfolio sind, die jene Probleme verursachen, die die Stiftung – beispielsweise mit Sozialprojekten innerhalb der USA – bekämpfen will.