Wenn wir uns wehren wollen gegen Diskriminierung, Verbrechen und Ungerechtigkeit, dann brauchen wir eine gemeinsame Wirklichkeit, die für uns alle gilt. Darum müssen wir wieder über altmodische Begriffe wie "Wahrheit" nachdenken, sagt Philosophin Susan Neiman.

Rassismus und antidemokratische Bewegungen haben erschreckenden Zulauf. In ihrem Vortrag sucht die Philosophin Susan Neiman nach den Ursachen. Angst und Verunsicherung werden von Rechtspopulisten und der identitären Bewegung geschickt ausgenutzt. Wie konnte es dazu kommen?

"Der postmoderne Glaube, dass Ansprüche auf Wahrheit und Gerechtigkeit reine Machtansprüche seien, durchseucht unseren Alltagsdiskurs."
Susan Neiman, Philosophin

Viele linksliberale Intellektuelle müssen sich an die eigene Nase fassen, argumentiert Neiman: Die Rechtspopulisten von heute nutzen die postmodernen Theorien der 1980er Jahre geschickt für sich. Wenn gemeinsame Werte nur auf so genannten "Narrativen" basieren, dann kann man sie einfach ändern, in rechte, nationale, völkische Narrative. Medien wie Breitbart News arbeiten seit Jahren genau daran und berufen sich dabei sogar explizit auf postmoderne Denker. Was tun? Wir müssen wieder über altmodische Begriffe wie "Wahrheit" und "Wirklichkeit" nachdenken.

Susan Neimans Vortrag hat den Titel "Widerstand der Vernunft in postfaktischen Zeiten". Sie hat ihn am 21. November 2017 am Einstein Forum in Potsdam gehalten.

Mehr dazu bei Deutschlandfunk Nova: