Sich jung fühlen, jung bleiben wollen - warum eigentlich? Weil Erwachsen sein bedeutet, im Eigenheim zu versauern? Nichts da, sagt die Philosophin Susan Neiman. Es ist an der Zeit, dem Erwachsenwerden sein verstaubtes Image zu nehmen.

Heißt erwachsen werden, Verantwortung übernehmen, vernünftig, langweilig, spießig werden? Warum sollte man das wollen? Wäre es da nicht besser, wie Peter Pan, ewig Kind zu bleiben? Das scheint zumindest attraktiver zu sein. Und es ist nicht vielleicht sogar moralisch besser? – Denn es sind doch die Erwachsenen, die Kriege führen, die Umwelt zerstören und im Laufe ihres Lebens langsam verbittern.

"How few people who have retained a clear memory of their twenties would actually choose to repeat them?"

"Warum erwachsen werden?" heißt das Buch von Susan Neiman. Ihre Antwort: Erwachsen zu werden ist ein politischer Akt. Erwachsen sein heißt, etwas vom Leben zu wollen und es zu gestalten. Kurz gesagt heißt es, ein mündiger Bürger oder eine mündige Bürgerin zu sein, und sich das Leben nicht von Staat oder Obrigkeiten vorgeben zu lassen. Eine emanzipatorische Tat also, das Erwachsenwerden. Das hat übrigens auch schon der Philosoph Immanuel Kant gesagt.

"The glorification of childhood and youth, and the view of everything else after that as a let-down is really quite new."

"Why Grow Up? Director’s Cut" lautet der Titel von Susan Neimans Vortrag. Darin erklärt sie die wichtigsten Thesen und Argumente aus ihrem Buch und geht auf die Diskussion ein, die es ausgelöst hat. Susan Neiman hat ihren Vortrag am 11. Juni 2015 am Einstein Forum in Potsdam gehalten.

"In the end, fear of growing up is less a fear of dying than a fear of life itself. Letztlich ist die Angst, erwachsen zu werden, keine Angst zu sterben, sondern Angst vor dem Leben selbst."