Komisch. Wir kaufen doch alle immer schön Bio. Und geben dafür doch auch echt viel Geld aus. Also müsste das Geschäft doch boomen. Trotzdem machen viele Bauern Verluste - und wechseln wieder in den konventionellen Anbau.

Gleich vorweg: Es ist kompliziert. 400 Öko-Bauern wechseln pro Jahr wieder zurück in den konventionellen Anbau. Wer einen guten Bio-Bauernhof betreiben will, der muss auf vieles achten. Vor allem auf einen guten Kreislauf. Dazu gehören in der Regel Pflanzen und Tiere. Und hier haben wir schon Problem Nummer eins: Viele Bio-Bauernhöfe sind reine Pflanzenbetriebe. Für die Bauern ist Viehhaltung zu aufwendig. Die Tiere sind aber wichtig für den Kreislauf, sagt Günter Leithold. Er betreibt einen Forschungshof in Gießen.

​"Ein ökologischer Mischbetrieb mit Rinderhaltung, mit Futterleguminosenanbau, und mit Stall-Dung und oder Gülledüngung; das wäre der ideale Betrieb, dann funktioniert ökologischer Landbau auch."
Günter Leithold, Professor für Organischen Landbau an der Uni Gießen

Leguminosen sind Pflanzen, die mit Bakterien interagieren. Der Boden ist fruchtbar, weil Stickstoff im Boden bleibt oder wieder dorthin zurückkommt. Leguminosen sind außerdem wichtiger Bestandteil dieses Kreislaufs, weil sie von Rindern gefressen werden - und deren Mist wiederum die Pflanzen düngt.

Bio ohne Fleisch - geht auch

Bio oder Öko funktioniert auch ohne Tiere. Man muss aber viel beachten, sagt Günter Leithold. Und wieder spielen die Leguminosen eine zentrale Rolle. Diese stickstoffbindenden Pflanzen müsste man dann so anbauen, dass sie kein Futter für Tiere sind, sondern Nahrung für den Menschen. Bohnen zum Beispiel. Dann geht es um die richtige Abfolge, wie man die Felder mit verschiedenen Pflanzensorten bewirtschaftet. Und das ist ohne Tiermist als Dung eben ziemlich anspruchsvoll. Die Forschung sei aber schon weit genug, so Günter Leithold.