Fingerabdruck war gestern: Ein neues biometrisches Verfahren identifiziert uns vielleicht schon bald über unsere Ohren. Der japanische Hersteller will die Technik 2018 auf den Markt bringen.

Das Handy mit dem kleinen Finger oder den Augen entsperren. Mitarbeiter nur noch nach einem Gesichtsscan ins Büro lassen: In Sachen Identifizierung passiert gerade ziemlich viel. Der klassische Fingerabdruck ist schon längst nicht mehr die einzige Möglichkeit, die Identität eines Menschen sicher festzustellen. Ein neues biometrisches Verfahren will Menschen jetzt über ihre Ohren identifizieren.

Mit Schall ins Mittelohr

Viele andere Gesichtsmerkmale wie zum Beispiel die Nase oder der Mund haben den Nachteil, dass ihre Träger sie umoperieren lassen können oder dass sie sich verändern können - etwa wenn wir älter werden. Die neue Technik des japanischen Unternehmens NEC zur Identifizierung über das Ohr zieht nicht das äußere Erscheinungsbild der menschlichen Ohrmuschel heran - die ja auch verändert werden kann - sondern geht tiefer: Dabei wird das Mittelohr mit Schall vermessen.

"Wir haben ein äußeres Ohr, dann kommt das Trommelfell und dann das, was bei jedem unterschiedlich ausgeprägt ist: das Mittelohr.”
Dr. Johannes Wimmer, Notfallmediziner

Die neue Ohr-Vermessungstechnik funktioniert mithilfe von in-ear-Kopfhörern, wie ihr sie vom Musikhören auf einem mobilen Endgerät kennt. Über diese Kopfhörer wird ein Ton ausgespielt und ein zusätzlich eingebautes Mikrophon misst den Schall, der von diesem Ton wieder zurückkommt. "Weil das Mittelohr bei jedem Menschen individuell anders geformt ist, kommt eben der Schall auch immer anders zurück", erklärt DRadio-Wissen-Autor Christian Schmitt. So kann der Besitzer des Ohrs eindeutig identifiziert werden.

Möglicher Störfaktor: Mittelohrentzündung

Der Vorteil: Das Mittelohr verändert sich mit dem Älterwerden nicht und kann dadurch, dass es innen liegt, auch nicht so leicht durch eine Operation manipuliert werden. Notfallmediziner Johannes Wimmer weist auf ein anderes mögliches Problem hin: Eine Mittelohrentzündung könnte die Messung seiner Meinung nach verfälschen.

"Wenn eine Mittelohrentzündung vorliegt, hat der Patient Wasser im Mittelohr und dann ist eine Vermessung per Schall meines Erachtens nicht mehr ohne weiteres möglich."
Dr. Johannes Wimmer, Notfallmediziner

Laut Medienberichten sind Kreditkartenunternehmen schon an der Technik interessiert. Denkbar wäre auch eine Anwendung für telefonische Bestellungen: Dabei könnte der Käufer etwa über Kopfhörer, die während der Bestellung sein Mittelohr vermessen, seine Identität bestätigen. Und wenn ihr beim Telefonieren zu Paranoia tendiert, könntet ihr mit dieser Technik über spezielle Messenger sicher gehen, dass am anderen Ende auch wirklich der spricht, mit dem ihr sprechen wollt. Laut dem japanischen Hersteller NEC soll die Technik schon 2018 auf den Markt kommen.