Gene, Rauchen, Sport und Ernährung beeinflussen das biologische Alter. Eine Studie bestätigt nun, dass die mentale Gesundheit ebenfalls einen Einfluss auf das biologische Altern hat.

Das biologische Alter lässt sich als körperlichen Alterszustand beschreiben. Das heißt, es setzt sich zusammen aus unserem kalendarischen Alter und den Umständen, in denen wir leben. Dieses biologische Alter ist nicht nur dadurch ersichtlich, dass manche Menschen jünger aussehen, auch unsere Lebenserwartung ist vom biologischen Alter abhängig.

Auf das kalendarische Alter haben wir keinen Einfluss, aber auf das biologische Alter können wir einwirken. Das bedeutet, dass wir den Zellerneuerungsprozess unterstützen oder bremsen können. Das biologische Alter ist aber auch von unserer Genetik abhängig, die wir nicht beeinflussen können.

Als Faktoren, die wir steuern können, wurden bisher durch Studien ermittelt: Bewegung, Drogenkonsum wie zum Beispiel Rauchen oder Alkohol trinken, das Gewicht und die Ernährung und die sozialen wirtschaftlichen Verhältnisse, in denen wir leben.

Psychischer Einfluss auf das biologische Alter

Eine neue Studie des Unternehmens Deep Longevity hat nun herausgefunden, inwieweit unsere Psyche einen Einfluss auf das biologische Alter hat. Die Forscher*innen haben dafür einen Datensatz aus einer chinesischen Altersstudie ausgewertet. In dieser Studie enthalten waren Daten aus Blutproben, aber auch Infos zu Gewicht und Größe und auch Angaben aus Fragebögen zur psychischen Gesundheit.

Anhand dieser Daten haben die Forschenden eine künstliche Intelligenz (KI) trainiert. Das Forschungsteam lies die KI zum Beispiel eine bestimmte Altersgruppe vergleichen, die ähnliche Werte hatte, aber in der zum Beispiel Depressionen oder Einsamkeit eine oder keine Rolle spielten.

"Damit wäre statistisch gesehen der Schaden von Depressionen und Einsamkeit sogar größer als der vom Rauchen."
Veronika von Borries über das Ergebnis der neuen Studie

Die Studie nennt eine konkrete Zahl für die Beeinflussung des biologischen Alters durch die mentale Gesundheit. Einsamkeit und das Gefühl, unglücklich zu sein, sollen demnach etwa 1,65 Jahre zum biologischen Alter hinzufügen. Das würde bedeuten, dass diese psychischen Faktoren einen schneller altern lassen als Rauchen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Veronika von Borries.

Die Gründe für den Einfluss von Psyche auf das Altern sind unterschiedlich. Bei Menschen, die an Depressionen erkrankt sind, fanden Forschende heraus, dass das Herz-Kreislaufsystem stark durch die Krankheit belastet wird. Und auch bei Einsamkeit konnte nachgewiesen werden, dass Depressionen zum Beispiel zu einem schlechteren Schlaf und damit zu mehr Stress führen. Dieser Stress beschleunigt den Altersprozess.

Aussagekraft der neuen Zahlen

Die Studie wurde nicht von einem unabhängigen Institut oder einer Universität, sondern von einem Unternehmen durchgeführt. Dieses Unternehmen verkauft Apps, die das biologische Alter errechnen, zum Beispiel an Krankenversicherungen. Veronika von Borries sagt, dass aus diesem Grund die Studie mit Vorsicht zu genießen sei.

"Was jetzt fehlt, sind Kontrolldaten der gleichen Testpersonen, um zu schauen, ob sich diese Zahl so bestätigen lässt."
Veronika von Borries über die Validität der Studie

Außerdem, erklärt Veronika von Borries, wären die Daten, die für die Studie genutzt wurden, nur einmal erhoben worden. Um zu sehen, inwieweit die Ergebnisse valide sind, müssten zum Vergleich Kontrolldaten zu einem späteren Zeitpunkt der Probanden untersucht werden. Veronika von Borries sagt, dass so erst das tatsächliche Ausmaß von psychischen Faktoren deutlich wird. Denn beim Rauchen steigert sich das Risiko zu erkranken auch mit der Zeit.

  • Moderator:  Paulus Müller
  • Moderator:  Thilo Jahn
  • Gesprächspartnerin:  Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova Reporterin