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Bienen sind ein wichtiger Teil des Ökosystems. An Flughäfen helfen sie auf besondere Art: Im Honig der Bienen können Forschende feststellen, wie stark die Luft dort mit Schadstoffen belastet ist.

Mehr als 200.000 Bienen sind am Flughafen in Hamburg im Einsatz – als "Biodetektive". Und das seit über zwanzig Jahren. Seitdem zeigen sie den Flughafenbehörden an, wie stark der Flugverkehr die Luftqualität rund um den Flughafen verschmutzt.

Denn: Bienen suchen ihre Nahrung in einem Umkreis von bis zu drei Kilometern. Beim Einsammeln von Pollen und Nektar nehmen sie auch Schadstoffe aus Pflanzen auf, die wiederum in ihrem Honig landen.

Biomonitoring mit Honig

Den Honig untersuchen Forschende im Labor auf seinen Gehalt an typisch verkehrsbedingten Schadstoffen wie Schwermetallen oder gesundheitsschädlichen Kohlenwasserstoffen, die etwa bei der Verbrennung von Kerosin entstehen. Biologisches Material auf Gefahrenstoffe zu untersuchen, nennen Fachleute auch Biomonitoring.

Der Flughafen in Hamburg eignet sich deshalb als guter Lebensraum für Bienen, weil das Areal um den Flughafen zu den größten zusammenhängenden Grünflächen Hamburgs zählt. Einen Teich, Bäume und etliche Wildblumenwiesen finden die Bienen dort.

Umweltigenieur und Hobbyimker Ingo Fehr vom Flughafen Hamburg hält eine Honigwabe in der Hand vor der Landbahn.
© picture alliance | dpa | Daniel Reinhardt
Umweltigenieur und Hobbyimker Ingo Fehr vom Flughafen Hamburg. Er kümmert sich um die Bienenstöcke.

Kein Problem mit Fluglärm

Der Fluglärm macht den Bienen wenig aus, weil sie kein Gehör haben, erklärt Biologe Mario Ludwig. Bienen nehmen allerdings den Luftschall von Geräuschen wahr. Der überträgt sich in Form von feinen Schwingungen auf den Untergrund, auf dem die Biene steht. Die Vibrationen reizen wiederum Sinneszellen in bestimmten Sinnesorganen der Biene, den Subgenual-Organen, die sich ungefähr auf Kniehöhe ihrer Beine befinden.

Die Schwingungen bemerken sie aber nur in Umkreis von drei bis fünf Metern um den Bienenstock. Deswegen stehen die Bienenstöcke am Hamburger Flughafen mehrere Hundert Meter von Lande- und Startbahn entfernt.

"Bienen eignen sich zur Schadstoffüberprüfung deshalb so gut, weil sie Schadstoffe aus belasteten Pflanzen über die Nektar- und Pollenfracht aufnehmen."
Mario Ludwig, Biologe

Im Honig zeigte sich: Die gemessen Schadstoffwerte liegen weit unter den von der EU festgesetzten Höchstwerten. Ein Honigmonitoring wie das aus Hamburg gibt es auch an vielen anderen Flughäfen wie dem in München, Frankfurt oder Stuttgart.

Honig als Schadstoffanzeiger

Für die Analyse des Honigs brauchen die Forschende übrigens nur einen Bruchteil der Ernte. Die Flughafenverwaltung in Hamburg verschenkt den Rest zum Beispiel zu besonderen Anlässen. Mitarbeitende des Flughafens können auch ein Glas bekommen, wenn sie regelmäßig an der ärztlichen Vorsorgeuntersuchung für Flughafenangestellte teilnehmen.

In den letzten zwanzig Jahren haben die Bienen über drei Tonnen Honig produziert, was ungefähr 12.000 Gläser sind, teilt der Flughafen mit.