Nach den Rassismus-Vorfällen in den USA zieht es viele Menschen zu Demonstrationen gegen Ausländerfeindlichkeit. Und auch wenn dabei einige Corona-Sicherheitsregeln beachtet werden, bleibt immer das Risiko, sich zu anzustecken.

In Berlin, Stuttgart, in Köln und in vielen anderen Städten in Deutschland gab es am Wochenende Anti-Rassismus-Demos.

In Köln waren offiziell 500 Teilnehmer angemeldet, laut Berichten des WDR kamen schätzungsweise jedoch mehr als 10.000 Personen zusammen. In Hamburg hätten von offizieller Seite 525 Menschen zum Jungfernstieg kommen dürfen, gekommen sind aber 9000. Und auch in Leipzig zogen laut Veranstalter mehr als 15.000 Menschen durch die Straßen.

Potenzieller Ansteckungsort Demo

Wie beurteilen Mediziner solche Versammlungen in Zeiten der Corona-Krise?

Johannes Knobloch, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, sagt, dass das Risiko zwar gering sei, aber dennoch vorhanden ist.

Demonstration mit Mund-Nase-Schutz und Abstand

Eine Demonstration zu besuchen und damit das Risiko einer Ansteckung einzugehen, müsse jeder für sich selbst abwägen, so der Mediziner. Teilnehmer sollten sich auf jeden Fall an bestimmte Regeln halten: Dazu zählt das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes und die Vermeidung von Ansammlungen von Menschen, die keinen Schutz tragen.

Richtig sei auch Stellen aufzusuchen, in denen der nötige Sicherheitsabstand eingehalten werden könne. Zum Beispiel am Rande einer Demonstration.

"Ich muss mich nicht an den Punkt stellen, wo gerade das größte Gedrängel ist und Menschen keinen Mund-Nasen-Schutz tragen. Ich kann mich auch dorthin begeben, wo die Abstände noch einhaltbar sind."
Johannes Knobloch, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Da die Demos im Freien stattfinden, sei die Infektionsgefahr prinzipiell wesentlich geringer als in der U-Bahn oder in geschlossenen Räumen. Um das Risiko so klein wie möglich zu halten, rät der Mediziner Veranstaltern, einen möglichst weitläufigen Veranstaltungsort zu wählen. Außerdem sollten die Teilnehmer vor Ort von den Veranstaltern an die Sicherheitsmaßnahmen erinnert werden.