Wenn die Blasenentzündung nicht weggeht und wortwörtlich zum Dauerbrenner wird, kann eine Impfung helfen. Die Impfung wirkt allerdings unterschiedlich gut. Sie ist deshalb kein Allheilmittel, aber eine zusätzliche Option.

Blasenentzündungen können fies sein: Beim Pinkeln brennt es und dazu kommt auch noch das Gefühl, andauernd aufs Klo zu müssen. Viel trinken, mit Vitamin C die Blase ansäuern, warm halten und besonders nach dem Sex auf die Toilette gehen, sind typische Tipps, um einer Blasenentzündung vorzubeugen.

Wenn du auf dem Klo festsitzt

Manchmal hilft das alles aber nichts. Dann folgt ein Harnwegsinfekt auf den nächsten – auch trotz Antibiotika. Carina kennt das. Sie hatte zu Beginn ihres Studiums ihre erste Blasenentzündung, die erst mal nicht wegging, obwohl sie vieles ausprobiert hat.

"Das Schlimme waren nicht die Schmerzen, sondern dass ich sie nicht losgeworden bin. Ich konnte manche Dinge nicht mehr machen und musste nach Hause fahren, weil ich praktisch auf der Toilette sitzen bleiben musste."
Carina, bekommt seit zehn Jahren immer wieder Blasenentzündungen

Sie hat sich deshalb damals gegen die Erreger der Blasenentzündung impfen lassen. Danach war sie die Harnwegsinfekte für mehrere Jahre los. Die Impfung gibt es als Spritze oder als Immuntherapie in Tablettenform.

In beiden Fällen handelt es sich um ein Gemisch von verschiedenen Stämmen von E.coli-Bakterien. Sie lösen am häufigsten einen Harnwegsinfekt aus, weil sie aus dem Darm über die Harnröhre in die Blase wandern. Das kann zum Beispiel beim Sex passieren, wenn die Bakterien durch die Bewegung hinten vom Po in Richtung der Harnröhre kommen.

Impfung wenig bekannt

Die Impfung gibt es schon seit 2004. Einige Personen, für die ständige Blasenentzündungen ein Thema sind, kennen sie aber nicht. Carina hat zum Beispiel erst davon erfahren, als sie ihre Ärztin gewechselt hat.

Impfung wirkt unterschiedlich gut

Grund für die geringe Bekanntheit ist unter anderem die Wirksamkeit der Impfung, die von Person zu Person schwankt. "Manche Frauen kriegen nie wieder eine Blasenentzündung. Andere sagen, das funktioniert überhaupt nicht", sagt Urologe Wolfgang Bühmann.

"Ich biete den Frauen die Impfung mit der Fußnote an: Möglicherweise wirkt sie nicht so, wie Sie sich das wünschen."
Wolfgang Bühmann, Urologe

Hinzu kommt, dass nur wenige Studien die Impfung untersucht haben. Und viele dieser Studien entsprechen nicht den wissenschaftlichen Standards. Oder sie zeigen keine bessere Wirkung als ein Scheinmedikament, also ein Placebo, erklärt Allgemeinmediziner Guido Schmiemann vom Institut für Public Health der Universtiät Bremen. Er hat auch an Leitlinien für Harnwegsinfekte von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin mitgearbeitet.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung deswegen nicht. Die Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin sieht die Impfung zwar als Möglichkeit in der Behandlung wiederkehrender Harnwegsinfekte an, spricht aber keine ausdrückliche Empfehlung aus.

Als Nebenwirkungen können Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber, Kopfschmerzen oder Müdigkeit aufkommen.

Auffrischung möglich

Carina hat die Impfung geholfen, sagte sie. Nachdem sie einige Jahre nach ihrer ersten Impfung gegen die Erreger wieder mehrere Blasenentzündungen hintereinander bekommen hat, hat sie die Immunisierung noch einmal auffrischen lassen. Seitdem ist sie wieder frei von Harnwegsinfekten.

Bei ihrer Mutter Béa ist es ähnlich. Auch Béa hatte mit wiederkehrenden Blasenentzündungen zu kämpfen. Sie hat sich dagegen impfen lassen, nachdem ihr Carina vor drei Jahren durch Zufall von der Möglichkeit erzählt hatte. Seitdem hatte sie keinen Infekt mehr. Über ihre Erfahrungen mit der Impfung schreibt Béa auch in ihrem Blog.