Jede zweite Frau bekommt rein statistisch gesehen mal eine Blasenentzündung. Manche Frauen kriegen sie immer wieder. Forscher haben jetzt eine Erklärung dafür.

Frauen leiden deutlich häufiger an einer Blasenentzündung als Männer. Das hat vor allem anatomische Gründe: Besonders die Länge der Harnröhre spielt eine Rolle. Während die bei Frauen nur zwei bis vier Zentimeter lang ist, ist sie bei Männern etwa zwanzig Zentimeter lang. Die Folge: Bakterien - die fast immer für die schmerzhafte Entzündung verantwortlich sind - können bei Frauen deutlich schneller die Harnröhre hochwandern und sich in der Wand der Blase festsetzen

Antibiotika helfen

Oft sind E. coli-Bakterien aus dem Darm für die Entzündung verantwortlich. Dass die in die Blase gelangen, hat nicht unbedingt etwas mit mangelnder Hygiene zu tun. In vielen Fällen passiert es, dass durch die Bewegungen beim Sex Bakterien hinten vom Po in Richtung Harnröhre gelangen. Bei Blasenentzündung verschreiben Urologen oft Antibiotika, die das Brennen beim Pinkeln und das ständige Druckgefühl schnell lindern können. Präparate, die über mehrere Tage eingenommen werden, töten die Bakterien dabei sicherer ab, als ein Einmal-Antibiotikum.

"Die Gefahr, dass du bald wieder eine Blasenentzündung bekommst, ist mit einem Einmal-Präparat höher."
DRadio-Wissen-Reporterin und Biologin Verena von Keitz

Bisher gingen Forscher davon aus, dass die E. coli-Bakterien immer wieder neu in die Harnröhre gelangen und in der Blase die Entzündung auslösen. In einer Studie mit Mäusen haben sie aber jetzt herausgefunden, dass sich manche der E. coli-Bakterien relativ tief in der Blasenwand verstecken können. Da richten sie zwar erst mal keinen Schaden an, sie werden aber auch nicht von den Antibiotika abgetötet.

Schuld ist ein weiteres Bakterium

Und dann kommt laut den Forschern ein weiteres Bakterium ins Spiel: Gardnerella vaginalis. Das ist vor allem in der Vagina von Frauen zu finden. Das Bakterium rutscht - ebenfalls oft beim Sex - in die Harnröhre, greift die Blasenwand an und setzt dadurch die versteckten E. coli-Bakterien wieder frei. Und schon gibt es die nächste Blasenentzündung.

"Die Bakterien, die du als Frau mit dir im Unterleib herumträgst, sind von Frau zu Frau unterschiedlich."
Verena von Keitz

Die Wissenschaftler glauben, dass Frauen, die viele dieser Gardnerella vaginalis Bakterien in ihrer Vagina haben öfter an Blasenentzündung leiden.

Um einer Blasenentzündung vorzubeugen, hilft:

  • Nach dem Sex aufs Klo gehen (potentiell gefährliche Bakterien werden aus der Harnröhre gespült)
  • Regelmäßig aufs Klo gehen
  • Viel trinken
  • Warm halten

Übrigens: Sich im Kalten aufzuhalten, sorgt an sich nicht für eine Blasenentzündung. Allerdings sind unterkühlte Körperteile schlechter durchblutet, das Abwehrsystem ist deshalb nicht so auf Zack. Und dann können eingedrungene Bakterien sich leichter an die Blasenwand heften.