Es ist kein Tier. Es ist keine Pflanze. Es ist kein Pilz. Aber was ist es bloß? Der "Blob" heißt eigentlich Physarum polycephalum und lebt seit Millionen Jahren auf unserer Erde. Doch der Wissenschaft gibt er immer noch sehr viele Rätsel auf.

Der Pariser Zoo hat in dieser Woche Schlagzeilen gemacht - mit der Präsentation eines neuen Wesens, das künftig dort zu sehen sein wird. Der sogenannte "Blob" sieht eigentlich aus wie eine kleine, gelbe Flechte. Aber irgendwie scheint er auch nicht von dieser Welt, genauso wie sein Namensgeber aus dem Science-Fiction-Horror-Film "Der Blob".

Denn obwohl Physarum polycephalum seit Millionen Jahren auf unserer Erde existiert, wissen wir kaum etwas darüber, wie Britta Wagner aus unserer Nachrichtenredaktion berichtet.

"Laut dem Pariser Zoo sind die ältesten Fossilien des 'Blobs' 50 Millionen Jahre alt, aber von seiner Genetik her dürfte es ihn schon seit mindestens 500 Millionen Jahren geben."
Britta Wagner, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredakteurin

Sein Name "Physarum polycephalum" bedeutet "der vielköpfige Schleimpilz". Und in seinen verschiedenen Lebens-Stadien ähnelt der "Blob" auch einem Pilz: Der Schleimpilz bildet wie Pilze Myzel-Netzwerke, also weit verbreitete Fäden-Netzwerke. Und an manchen Stellen bildet er Fruchtkörper aus.

Ein "intelligenter" Einzeller

Aber der Schleimpilz hat auch einige Eigenschaften, die eher an Tiere als an Pilze erinnern: Er kann sich zum Beispiel fortbewegen – mit immerhin ein bis vier Zentimetern pro Stunde. Und die Wissenschaft vermutet sogar eine gewisse Form von Intelligenz bei ihm. Obwohl er als Einzeller, der er eigentlich ist, weder Gehirn noch Nervenzellen besitzt.

Es gab Experimente, wie unsere Nachrichten-Kollegin berichtet, in denen Physarum polycephalum sich auf der Suche nach Futter durch ein Labyrinth wuchern sollte. Laut den Wissenschaftlern kann sich der "Blob" räumlich orientieren. Er kann sich auch in einem Labyrinth zurechtfinden oder Nahrung finden.

"Ein anderes Experiment hat gezeigt, dass der Schleimpilz in einem Labyrinth durch Ausprobieren am Ende den kürzesten Weg vom Eingang zum Ausgang findet."
Britta Wagner, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredakteurin

Der Schleimpilz kann sogar Erfahrungswissen an andere Schleimpilze weitergeben: Ein Experiment hat gezeigt, dass ein Schleimpilz einem anderen beibringen kann, wie er gefahrlos über einen Weg zum Futter wuchert, der mit Salz bestreut ist. "Dafür müssen sich beide aber offenbar für mindestens drei Stunden verbinden", sagt Britta Wagner.

Noch ein paar Funfacts zum "Blob":

  • Wenn man ihn durchschneidet, heilt er sich von selbst
  • Er kann seine Größe innerhalb eines Tages verdoppeln
  • Er kann seine DNA reproduzieren und sich teilen
  • Es gibt nicht zwei verschiedene Geschlechter, sondern etwa 720
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In der Natur lebt Physarum polycephalum übrigens meist auf verrottetem Holz oder auf Pilzen. In Experimenten ist der "Blob" aber laut Britta Wagner auch auf Zucker oder Haferflocken abgefahren. Menschen greift der echte "Blob" also eher nicht an. Mit der Präsentation des Wesens ist dem Pariser Zoo jedenfalls ein echter PR-Coup gelungen. Denn über Paris hinaus haben Medien selbst in New York über das geheimnisvolle Wesen berichtet.