Wenn Hummeln hungrig sind, müssen schnell Pollen her. Doch gerade zum Anfang des Frühjahrs blüht selten genug von diesem Futter. Um Pflanzen früher zum Blühen zu bringen, haben die Hummeln einen Trick: Sie bohren einfach Löcher in die Blätter.

Wer sich Anfang März umschaut, wird feststellen, dass in der Natur noch nicht viel blüht. Durch den Klimawandel erwachen Insekten wie Hummeln jedoch früher aus ihrem Winterschlaf und sind vor allem eins: Sehr hungrig. Doch bis die Pflanzen blühen und sie genug Pollen sammeln können, kann es zu lange dauern.

Forschende aus der Schweiz und Frankreich haben in einer Studie herausgefunden, dass die Hummeln kleine Löcher in die Pflanzen bohren und sie so früher zum Blühen bringen.

Rüssel und Unterkiefer bohren Löcher

Darauf aufmerksam wurden die Forschenden, als sie Erdhummeln dabei beobachteten, wie sie mit ihrem Rüssel und dem Unterkiefer kleine Löcher in die Blätter bissen. Zur Überraschung der Forschenden wurde das herausgebohrte Blattmaterial von den Hummeln weder aufgegessen noch woanders hingebracht.

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In einem Versuch wurde den Forschenden klar: Mit den Löchern beeinflussen die Hummeln den Blühzeitpunkt der Pflanzen.

Blüten blühen bis zu vier Wochen früher

Dabei setzte das Forschungsteam mehreren Hummelvölkern Tomaten- und Senfplanzen, die noch nicht blühten, unter Laborbedingungen vor. Wie vermutet, bissen die Hummeln in die Pflanzen sehr viele Löcher rein. Das Ergebnis: Im Vergleich zu Pflanzen ohne Löcher fing der Senf im Durchschnitt zwei Wochen-, die Tomatenpflanzen sogar vier Wochen früher an zu blühen.

Nur hungrige Hummeln machen Löcher

Löcher bohrten aber nur die Hummeln, die sehr hungrig waren, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Tepper. Hatten die Hummeln beispielsweise vorher schon viele Pollen gefressen, wurden die Senf- und Tomatenpflanzen weniger durchlöchert. Gab es parallel noch Pflanzen, die schon blühten, wurden ebenfalls weniger Löcher in die Versuchspflanzen gestochen und die blühenden Pflanzen von den Hummeln bevorzugt.

Bei Experimenten im Freien kamen die Forschenden zu dem Ergebnis, dass auch wilde Hummelarten Löcher bohren – Bienen hingegen nicht.

Mehr als nur Löcher bohren

Warum ausgerechnet löchrige Blätter eine Pflanze früher zum Blühen bringen, konnten die Forschenden noch nicht herausfinden. Eine Vermutung ist, dass die Pflanze durch die Löcher Stress bekommt und deshalb früher anfängt zu blühen. Doch die Hummeln müssten bei ihren Löchern noch einen "Geheimtrick" haben, sagt Anne Tepper, denn als die Forschenden selbst Löcher in ähnlicher Größe bohrten, fingen die Pflanzen nur ein paar Tage früher an zu blühen, erklärt Anne Tepper.

"Die Hummeln müssten da noch einen besonderen Geheimtrick haben. Denn die Forschenden haben auch selbst sehr ähnliche Löcher in die Blätter geknipst – und hatten damit aber lange nicht so einen großen Erfolg."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Für die Pflanzen kann das frühere Blühen auch ein Vorteil sein, sagt Anne Tepper. Würden sie später blühen, dann würden sie vermutlich ihre Bestäuber verpassen und könnten sich so auch nicht weiter fortpflanzen.