Nicht nur heute am Weltblutspendetag wird ein Mangel an Blutkonserven beklagt. Aber nicht jeder darf Blutspenden. Zahnarztbesuche, geringes Gewicht und Urlaubsreisen können Ausschlusskriterien sein - aber auch Homosexualität.

Aufrufe zum Blutspenden erreichen uns ja regelmäßig - nicht nur heute am Weltblutspendetag. Warum, wissen wir: Weil das Blut knapp ist. Einer der Gründe ist, dass die Gesellschaft immer älter wird und der Anteil an Menschen über 65 Jahren immer größer wird. Menschen in dieser Altersgruppe dürfen nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt spenden - brauchen aber statistisch gesehen häufiger Blut.

Das heißt: Die jungen Menschen, die demografisch weniger werden, müssen mehr spenden. Das geht in Deutschland ab 18 Jahren. Laut der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) müssen im Jahr 2030 2,1 Blutspender zwischen 18 und 65 Jahren einen Menschen der Gruppe der Über-65-Jährigen versorgen.

Zehn Prozent der Blutspender werden abgewiesen

Es gibt einige Gruppen, die gar nicht Blut spenden dürfen - selbst wenn sie wollten. Das betrifft etwa zehn Prozent der potenziellen Blutspender. Der Vorsitzende der DGTI, Professor Hermann Eichler, sagt: "Das kann zum Schutz der Spender sein, beispielsweise wenn jemand schwanger ist oder unter 50 Kilogramm wiegt." Bei Menschen mit niedrigem Gewicht ist es deshalb problematisch, weil standardmäßig ein halber Liter Blut entnommen wird. Das setze den Personen zu sehr zu.

Häufiger werden Spender aber abgelehnt, weil die Gefahr besteht, dass ihre Blutkonserven verunreinigt sein könnten. In diesem Fall geht es um den Schutz der Empfänger. Bei chronisch Kranken oder Drogenabhängigen ist die Sache klar.

Aber auch wer beispielsweise vor kurzem eine Zahnbehandlung hatte, scheidet aus, sagt Hermann Eichler. "Wenn der Zahnarzt an ihrem Zahn arbeitet, kann es sein, dass vorübergehend Bakterien im Blut kreisen. Die machen Sie nicht krank, aber die können erhebliche Auswirkungen auf die Blutsicherheit haben."

Wer also vor kurzem beim Zahnarzt war, darf eine Woche lang nicht Blut spenden. Wer innerhalb der letzten vier Monate tätowiert oder gepierct worden ist, muss ebenfalls wieder gehen, oder wer in den letzten sechs Monaten auf Fernreisen war, darf auch kein Blut spenden. Manche Urlaubsländer in Afrika, Asien oder Südamerika gelten als Ausschlusskriterium, weil es Malaria-Risikogebiete sind.

Schwule dürfen nur sehr eingeschränkt Blut spenden

Ein Aspekt, über den sich viele aufregen, ist die Regelung, dass homosexuelle Männer kein Blut spenden dürfen. Bis vor ein paar Jahren waren sie generell vom Blutspenden ausgeschlossen, inzwischen dürfen sie spenden, wenn sie innerhalb der letzten zwölf Monate keinen Sex hatten.

Dass homosexuelle Männer per se als Risikogruppe zählen, finden viele diskriminierend. Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband fordert Änderungen: "Ich wünsche mir, dass die Spender zu ihrem etwaigen Risikoverhalten innerhalb der letzten sechs Wochen befragt werden. Für den Zeitraum davor könnte man moderne Antikörper- und Antigentests machen, was in allen HIV-Beratungsstellen und Gesundheitsämtern Usus ist."

Die Bundesärztekammer wehrt sich gegen Diskriminierungsvorwürfe. Von dort heißt es, dass der Patientenschutz vorgehe. Die Kammer beruft sich auf Statistiken, dass es bei homosexuellen Männern eben öfter HIV gibt. Und um das Risiko für eine Blutkonserve ganz auszuschließen, dürften Schwule eben nur Blut spenden, wenn sie mindestens zwölf Monate lang keinen Sex hatten – egal ob mit oder ohne Kondom.