Gehen denn die Kurse gar nicht mehr runter? Seit 2009 feiert der Aktienhandel an der deutschen Börse ein Rekordhoch nach dem anderen. Gerade ist der DAX zum ersten Mal in seiner Geschichte auf knapp über 13.000 Punkte geklettert. 

Manche Börsenanalysten sprechen schon davon, dass der Dax (Deutscher Aktien Index) bald 14 000 Punkte erreichen könnte. Wir haben Jörg Brunsmann, unseren Wirtschaftsexperten bei Deutschlandfunk Nova, gefragt, wie lange das so weiter gehen kann und ob es bald knallen wird an der Börse. 

„Auf jeden Boom folgt ein Absturz. Nur keiner weiß, wann. Börse ist mindestens zur Hälfte Psychologie.“
Jörg Brunsmann, Deutschlandfunk Nova

Wie lange das noch gut gehen kann - dazu hat Jörg Brunsmann zwei Einschätzungen für euch. 

Was der Pessimist sagt:

Der Deutsche Aktienindex und auch der Euro Stoxx steigen das sechste Jahr in Folge. So lange am Stück hat es das noch nie gegeben.

Alleine seit Jahresbeginn hat der Dax um gut 12 Prozent zugelegt – deutlich mehr als das Wirtschaftswachstum. Rein statistisch ist es einfach mal wieder angesagt, dass die Kurse fallen. Das würde dafür sprechen, Aktien schnell zu verkaufen.

Was der Optimist sagt:

Gerade jetzt sollte man Aktien kaufen!

„Bald bricht der Aktienmarkt zusammen - das kann man seit Jahren immer wieder lesen und bis jetzt ist es nicht passiert.“
Jörg Brunsmann, Deutschlandfunk Nova

Was dagegen spricht, jetzt Aktien zu verkaufen, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV. Das ist die wichtigste Zahl für Aktieneinsteiger. Das KGV zeigt auf einen Blick, wie teuer eine Aktie wirklich ist. Es zeigt an wie der Preis der Aktie im Verhältnis zum Gewinn einer Firma steht. Da ist momentan alles im grünen Bereich: Beim Dax liegt das KGV aktuell bei 14, langjähriges Mittel ist 15. Für die Bewertung einer Aktie gilt: Je niedriger das KGV ist desto günstiger ist die Aktie. Anfang der 2000er Jahre, als die Dotcom-Blase geplatzt ist, lag das KGV doppelt so hoch. Damals waren hunderte Internetfirmen an die Börse gegangen. Auf dem Papier waren sie Millionen wert. Ihr Börsenwert war aber oft nicht durch materielle Gegenwerte gedeckt. Im März 2000 brach der Markt zusammen und viele Anleger verloren ihr investiertes Kapital.

Trotzdem wird es keinen Wirtschaftsboom geben, erklärt Jörg Brunsmann. Gerade die deutsche Wirtschaft ist sehr abhängig von internationalen Geschehnissen. Wenn US-Präsident Trump zum Beispiel wirklich Strafzölle für deutsche Autos oder Maschinen beschließt, würde das den deutschen Aktienhandel richtig treffen. 

Im Moment aber läuft die Wirtschaft gut und die Zinsen sind noch immer niedrig. Das heißt: Mit Aktien lässt sich deutlich mehr Geld verdienen, als zum Beispiel mit Sparen. Die Gefahr ist groß, dass sich an der Börse wieder eine Blase bildet, die irgendwann platzt.

"Die Profis ziehen dann ihr Geld ab und nehmen unseres gleich mit. Bis Laien das merken, ist es zu spät und die Blase ist geplatzt."
Jörg Brunsmann, Deutschlandfunk Nova