Luftangriffe, Atomwaffen, die in Alarmbereitschaft versetzt werden, Tote, Verletzte, Bomben, geflüchtete Menschen – in der vergangenen Woche wurde die Welt wieder mit Hiobsbotschaften geflutet. In dieser Folge von Achtsam klären wir unter anderem den Unterschied zwischen Mitgefühl und Mitleiden.

Wir haben Angst, wir leiden mit, wir machen uns Sorgen. Selbst wenn wir nicht direkt von Krieg oder Krankheit betroffen sind, kann es uns seelisch stark belasten: Depressionen, Panikattacken oder Lethargie könnten eine Folge sein.

Inneren Frieden bewahren

Wie wir trotz der Sorgen und Ängste den inneren Frieden bewahren können, erklärt Main Huong Nguyen. Das kann auch wichtig sein für die Menschen, um die wir uns sorgen - auch für die Menschen in der Ukraine.

"Frieden startet bei uns selbst. Wenn wir unseren inneren Frieden bewahren können, können wir klug und überlegt handeln und so auch dazu beitragen, dass um uns herum Frieden ist."
Main Huong Nguyen, Psychologin

Wie wir achtsam mit Krisen umgehen können und warum es wichtig ist, dass wir nicht in Panik verfallen, besprechen Psychologin Main Huong Nguyen und Diane Hielscher.

"Wenn wir in Panik verfallen - was können wir dann machen? Dann können wir nicht mehr demonstrieren, Petitionen unterschreiben, helfen, spenden. Der Unterschied ist wichtig: Mitgefühl und Mitleiden. Wenn wir mitfühlen, sehen wir, dass es anderen schlecht geht. Aber wir müssen nicht so mitleiden, dass wir selbst keine Basis mehr haben", sagt Main Huong Nguyen.

Main Huong hat verschiedenen Studien durchgearbeitet, die zeigen: Achtsamkeit macht uns resilienter, also: stressresistenter.

Mehr Stresstoleranz

Teilnehmer*innen eines achtwöchigen Achtsamkeitsprogramms zeigten nach dem Training eine erhöhte Stresstoleranz, also die Fähigkeit, mit Stress umzugehen. Weil man immer wieder eine nicht verurteilende Haltung auch gegenüber negativen Gefühlen und Wahrnehmungen übt.

Achtsam Nachrichten konsumieren

Es geht auch um unseren Medienkonsum: Zu viele schlechte Nachrichten machen uns nämlich krank. Forschende der Charité untersuchten den Zusammenhang zwischen Medienkonsum während der Corona-Pandemie und psychischer Belastung. Das Ergebnis: Je mehr Medien konsumiert wurden, desto höher auch Depressivität, Ängstlichkeit und die Covid-19-spezifischen Ängste. Das Gleiche gilt natürlich auch für den aktuellen Krieg.

Wie uns Achtsamkeit durch die aktuelle Zeit hilft, besprechen die beiden in dieser Woche: und zwar nicht, um sich von der Welt abzuschotten, sondern gerade, um helfen zu können, ohne den Verstand zu verlieren.

Ihr habt Anregungen, Ideen, Themenwünsche? Dann schreibt uns gern unter achtsam@deutschlandfunknova.de

Quellen aus der Folge:
  • Bendau et al., 2021 in European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience (Medienkonsum von Corona-Nachrichten & psych. Belastungen)
  • Curry, Alexander and Hammonds, Keith H. (2014, June). Solutions journalism. Center for Media (Journalismus & Selbstwirksamkeit der Leser*innen)
  • Nila, Holt, Ditzen, Aguilar-Raab (2016), Mental Health & Prevention (Achtsamkeit und gesteigerte Stresstoleranz)
  • Kiken & Shook, 2011 in Social Psychological and Personality Science (Achtsamkeit reduziert den Negativitäts-Bias und hilft auch positive Informationen wahrzunehmen)
  • Achtsam
  • Moderatorinnen::  Psychologin Main Huong Nguyen und Diane Hielscher