Der Handel mit Kryptowährungen ist komplex, undurchsichtig und hat viel mit Zufall zu tun. Manchmal braucht es nur einen Hamster, um zu veranschaulichen, wie viel Glückssache hinter den Gewinnen mit Börsengeschäften steckt.

An der Börse ist Mr. Goxx wohl gerade der Händler, über den am meisten gesprochen wird. Das liegt auch an seinem Erfolg. Seitdem er im Juni angefangen hat, mit Kryptowährungen zu handeln, hat er sein Startkapital schon um gute zwanzig Prozent vermehrt.

Wie Mr. Goxx arbeitet, können alle auf Twitch verfolgen. Dort startet ein Livestream, sobald er sein Büro betritt. Das ist vor allem nachts. Dann läuft er eifrig in seinem Käfig hin und her – Mr. Goxx ist nämlich ein Hamster. Und er handelt tatsächlich mit Kryptowährungen: Von Bitcoin über Ether und Doge ist alles dabei.

Der Erfolg des Zufalls

Welche Kryptowährung er verkauft oder kauft, ist dabei natürlich Zufall. Dafür stehen in seinem Käfig ein Hamsterrad und zwei Tunnel. Über das Laufrad wählt der Hamster eine aus 30 möglichen Kryptowährungen aus und kann im Anschluss in die Tunnel "kaufen" und "verkaufen" laufen. Bisher liegt er damit im Plus: Mit knapp 330 Euro ist er Mitte Juni gestartet und liegt aktuell bei einem Kapital von rund 400 Euro.

Ein Gedankenspiel mit Kritik am System

Der Tradingerfolg des Hamsters ist Glückssache, könnte man sagen. Das im Netz übertragene Spektakel deutet aber auch eine tieferliegende Wahrheit an, findet Victor Gojdka aus dem ARD-Börsenstudio. Denn: Letzten Endes liegt es oft am Zufall, ob die Spekulation mit Aktien erfolgreich ist oder nicht.

"Die ARD hat im vergangenen Jahr eine Aktienchallenge ausgerufen, bei der ein Elefant gegen einen Banker angetreten ist. Am Ende lag der Elefant tatsächlich leicht vorne."
Victor Gojdka, ARD-Börsenstudio

Als Kapitalmarktforschende den Aktienhandel in der Vergangenheit untersucht haben, kamen sie zu einem ähnlich Ergebnis. Laut der Forschenden beinhaltet der Aktienkurs alle öffentlich einsehbaren Informationen und Erwartungen über ein Unternehmen. Danach gibt es also keine verfügbaren Informationen, die der Kurs nicht bereits berücksichtigt.

Aus ihrer Sicht können hoch bezahlte Fondsmanager den Aktienkurs daher mithilfe von Analysen und Recherchen auch nicht überlisten. Ob sie mit ihrer Spekulation richtig liegen und Gewinne erzielen, entscheide danach der Zufall. "Ich kann aus Zufall für zwei, drei Jahre einen guten Lauf haben. Vielen Fondsmanagern fällt es aber schwer, über zehn oder 15 Jahre den Dax oder andere weltweite Indizes zu schlagen. Das schaffen gerade noch so drei, vier Prozent der Leute", sagt er.

Intransparenz der Kryptowährungen

Bei Kryptowährungen ist es ähnlich, wenn nicht noch deutlicher. Wie viel Einfluss der Zufall auf den Erfolg eines Handels an der Börse hat, zeigt sich hier schon allein daran, dass es wenige Anhaltspunkte dafür gibt, wie der Preis der Kryptowährungen entsteht. Der ist vor allem vom Zufall geprägt – wie auch das Gedankenexperiment mit Mr. Goxx zeigt.