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Es ist die größte und tiefgreifendste Umwälzung, die in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland stattfindet: die Bodenreform in der damaligen Ostzone und die bald darauf einsetzende Welle von Gründungen Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften (LPG).

Die Bodenreform und die LPG-Gründungen dienen dazu, die in der sowjetischen Propaganda als Kriegsgewinnler denunzierten "Junker" zu enteignen und deren Besitz in die Hände vieler Kleinbauern zu übertragen. Unter dem Slogan "Junkerland in Bauernhand" wird das Ackerland neu verteilt.

Über eine halbe Million Bauern erhalten das Land, das vorher wenigen Großgrundbesitzern gehört hat. Kaum ist das vollzogen, beginnt 1952 der Aufbau der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften. Zunächst ist der Beitritt freiwillig, aber nach und nach wird mit Zwang bei jenen nachgeholfen, die nicht ohne Weiteres Mitglied einer LPG werden wollen.

Zwangskollektivierung

Der Staat wacht über diese Agrarbetriebe, die unabhängig von Wetterkapriolen Jahr für Jahr eine wachsende Menge an landwirtschaftlichen Produkten erzeugen müssen. Große Maschinen werden gemeinsam genutzt. Wer keiner LPG angehört, hat Schwierigkeiten, an diese Maschinen heranzukommen. Bis zum Bau der Mauer im August 1961 fliehen viele Bauern in die Bundesrepublik Deutschland, weil sie sich einer solchen Zwangskollektivierung nicht unterwerfen wollen.

1989/90 brechen die die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften ebenso zusammen wie das sozialistische Staatssystem der DDR. Bevor DDR und BRD wieder zu einem gemeinsamen Staat werden, schließen sie einen Einigungsvertrag. Darin versuchen die Unterhändler, sowohl die Ansprüche der 40 Jahre zuvor enteigneten ehemaligen Grundbesitzer als auch die Forderungen jener Landwirte zu berücksichtigen, die in eben diesen 40 Jahren das Land beackert und ihr Eigen genannt haben – ein Problem, das nicht für alle Seiten gleichermaßen befriedigend gelöst werden konnte.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der stellvertretende Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur im Land Berlin, Jens Schöne, berichtet über die Bodenreform in der DDR kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
  • Die Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, Uta Bretschneider, erläutert die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften.
  • Der Historiker Andreas Rödder hat sich mit dem deutsch-deutschen Einigungsvertrag beschäftigt und erklärt, wie darin mit dem enteigneten Grundbesitz umgegangen wurde.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld schildert, wie die Enteignungen unter Aufsicht der sowjetischen Besatzungsmacht in der damaligen Ostzone vollzogen wurden.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs erinnert mit Hilfe eines Beitrags aus dem "Rundfunk der DDR" daran, wie die Enteignungen nach dem Zweiten Weltkrieg gegenüber der DDR-Bevölkerung dargestellt wurden.