Ein Jahr ist es her, dass die Terrorgruppe Boko Haram fast 300 Mädchen aus dem nigerianischen Dorf Chibok entführt hat. Immer noch fehlt eine konkrete Spur - so wie auch auf Tausende andere Verschleppte.

Es war bei weitem nicht die erste und einzige Massenentführung durch die Terrormiliz Boko Haram - aber eine, die international großes Aufsehen erregt hat: die Verschleppung von fast 300 Mädchen aus einem Internat in der nigerianischen Stadt Chibok. Ein Jahr ist das nun her und noch immer gibt es keine gesicherten Informationen darüber, was mit den Mädchen passiert ist.

"Die Angehörigen werden immer noch von Ungewissheit gequält."
Korrespondent Alexander Göbel

In Nigeria kursieren Gerüchte, dass die Mädchen ins Rückzugsgebiet der radikalislamischen Terrormiliz Boko Haram verschleppt worden sein sollen, berichtet Westafrika-Korrespondent Alexander Göbel. Sie könnten mittlerweile mit Kämpfern zwangsverheiratet worden sein und die UN schließe auch nicht aus, dass die Mädchen bereits getötet wurden - weil Boko Haram gerade keine Möglichkeit sieht, aus ihrer Freilassung Gewinn zu schlagen.

Zwischen Gedenken und Hoffen

Durch die Organisation, die auch den Hashtag #BringBackOurGirls ins Leben gerufen hat, war und ist die Massenentführung der Chibok-Mädchen weltweit in den Medien präsent. Auch Prominente wie die US-amerikanische First Lady Michelle Obama oder die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala haben über die sozialen Netzwerke auf den Fall aufmerksam gemacht.

Zum heutigen Jahrestag der Entführung finden in Nigeria und anderswo Gedenkveranstaltungen statt: an die verschleppten Chibok-Mädchen, aber auch an die vielen anderen Menschen, die von Boko Haram gekidnappt wurden und seitdem verschwunden sind. Die Bevölkerung in Nigeria hoffe nun darauf, dass der vor kurzem neu gewählte Präsident Muhammadu Buhari etwas an dieser Situation ändern kann, berichtet Alexander Göbel: "Er hat angekündigt, den Fall zur Chefsache zu machen - auch wenn eine Verhandlungslösung mit den Terroristen im Moment sehr weit entfernt scheint."