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Am Ende des Ersten Weltkriegs erhält Griechenland als Bündnispartner der siegreichen Mächte ehemalige Gebiete des Osmanischen Reichs zugesprochen. Die Türken unter Kemal Atatürk kämpfen gegen die Besatzer, und für beide Seiten beginnt ein blutiger Krieg.

1917 tritt Griechenland den alliierten Mächten des Ersten Weltkriegs in der "Entente" bei und wird damit zum Kriegsgegner des Osmanischen Reichs, das an der Seite Deutschlands am Krieg beteiligt ist. Die Griechen handelten als Bedingung für ihre Kriegsbeteiligung aus, dass sie von der geplanten Zerschlagung des Osmanischen Reichs nach dem Krieg profitieren würden. Sie sollten vor allem in Ostthrakien und damit am europäischen Ufer des Bosporus Gebiete erhalten. Das politische Konzept dieser Forderung heißt "Megali Idea" (die große Idee), die besagt, dass der griechische Nationalstaat überall dort sein soll, wo Griechen leben.

Zerschlagung des Osmanischen Reichs

Nachdem am 30. Oktober 1918 der Waffenstillstand mit dem Osmanischen Reich geschlossen worden ist, erhalten griechische Truppen im Mai 1919 die Erlaubnis der übrigen Kriegsalliierten, die osmanische Hafenstadt Izmir zu besetzen. Die türkischen Bewohner der Stadt organisieren einen Partisanenkampf gegen die Besatzer. Derweil versuchen die alliierten Sieger des Ersten Weltkriegs den Sultan zu einer Annahme der Pläne zu zwingen, mit denen das Osmanische Reich zerschlagen und in weiten Teilen England und Frankreich – und Griechenland – zugeordnet werden soll.

Massaker auf beiden Seiten

Aber die Abtrennung von Teilen Ostthrakiens führt zum militärischen Widerstand der türkischen Armee unter Kemal Atatürk. Unter seiner Führung erobern die Türken Izmir von den Griechen zurück und richteten – genau wie die Griechen bei der Besetzung der Hafenstadt zuvor – ein Massaker unter der griechischen und armenischen Zivilbevölkerung an.

Dieses von Griechenland als "kleinasiatische Katastrophe" bezeichnete Massaker sowie die Tötung Tausender Türken auf griechischem Gebiet sind Ursache für ein traumatisches Verhältnis beider Länder bis in unsere Tage. Als der Krieg 1922 endet, wird ein "Bevölkerungsaustausch" vereinbart. Davon betroffen sind 900.000 Griechen, die türkisches Gebiet verlassen müssen, und 400.000 Türken aus griechischen Gebieten zwangsumgesiedelt werden.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Istanbuler Turkuloge und Historiker Christoph K. Neumann schildert die Folgen des Krieges für die Türkei und für Griechenland.
  • Historiker Ioannis Zelepos von der Universität Ioannia erläutert Inhalt und Ziel der "Megali Idea".
  • Der Leiter des Dubliner Zentrums für Kriegsstudien, Robert Gerwarth, befasst sich mit dem türkisch-griechischen Verhältnis in der Gegenwart.
  • Deutschlandfunk Nova - Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld beschreibt, wie es zum Krieg zwischen Griechenland und der Türkei 1919 kam.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kristin Mockenhaupt schildert die Brandkatastrophe von Izmir, der im September 1922 rund 40.000 Menschen zum Opfer fallen.
Shownotes
Nationalismus
Griechisch-türkischer Krieg 1919: Trauma bis heute
vom 17. Mai 2024
Moderator: 
Markus Dichmann
Gesprächspartner: 
Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte
  • Der Istanbuler Turkuloge und Historiker Christoph K. Neumann schildert die Folgen des Krieges für die Türkei und für Griechenland.
  • Historiker Ioannis Zelepos von der Universität Ioannia erläutert Inhalt und Ziel der "Megali Idea".
  • Der Leiter des Dubliner Zentrums für Kriegsstudien, Robert Gerwarth, befasst sich mit dem türkisch-griechischen Verhältnis in der Gegenwart.