Der gescheiterte Militärputsch vom 15. Juli hat gezeigt, wie tief gespalten das Land am Bosporus ist. Seit der Staatsgründung im Oktober 1923 durch Kemal Atatürk ist die Türkei hin- und hergerissen. Wie sich die türkische Republik von ihren Anfängen bis heute entwickelt hat, schauen wir uns in Eine Stunde History an.

Das Land laviert umher zwischen den Gegensätzen einer westlich orientierten Republik und einem Staat, der durch die Gesetze des Islam geprägt ist. Kemal Atatürk hatte die Trennung von Kirche und Staat und die Gleichstellung von Mann und Frau durchgesetzt. Präsident Recep Tayyip Erdogan macht Teile dieser Reformen wieder rückgängig und etabliert nach und nach einen politischen Islam.

Das türkische Militär stand immer auf Seiten der Kemalisten, also der Befürworter einer westlich orientierten Türkei, ihre Niederlage im Juli 2016 könnte eine lange Phase der stärkeren Islamisierung des Landes einleiten. Markus Dichmann, Moderator von Eine Stunde History, war 2013 in Istanbul und hat die Gezi-Proteste hautnah miterlebt und erzählt, welche Eindrücke und Bilder die politische Situation in der Türkei damals bei ihm hinterlassen hat.

"Ich fürchte die Türkei wird zu einer republikanischen Diktatur unter Herrn Erdogan, in der viel über Religion geredet und viel Religion vorgezeigt wird. In der es aber eine völlig unreligiöse Art und Weise gibt, die Gesellschaft zu lenken und die Wirtschaft zu verwalten."

Außerdem hört ihr in Eine Stunde History:

  • Turkologe Christoph Neumann über Kemal Atatürk und sein politisches Programm
  • Islamwissenschaftler Ralph Ghadban über die Strategie der weltweiten Gülen-Bewegung
  • ARD-Korrespondent Reinhard Baumgarten über die Ziele, die Präsident Erdogan verfolgt
  • DRadio-Wissen-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld über die Geschichte Putsche in der Türkei